60 Sekunden

Manchmal vergehen Minuten wie Stunden. Und manchmal ist eine Minute genauso verdammt kurz, wie sie eben ist: 60 Sekunden. „60 Sekunden“ lautet auch der Titel des gerade erst im Piper Verlag erschienenen Thrillers von James Hankins.

Die „Qual der Wahl“ bekommt einen ganz neuen Sinn

Diese 60 Sekunden haben eine unheimlich wichtige Beudeutung für die Opfer in dieser Story. Ein als die Comicfigur Galaxo verkleideter Killer ist in Boston unterwegs und bringt seine Opfer nicht einfach nur um, er foltert sie auf abartige Weise. Und er bezieht sie bei dieser Folter sogar mit ein und stellt sie vor die Frage, welchen Körperteil sie denn zuerst abgetrennt haben möchten. Ein Ohr? Oder sollen doch lieber alle Zähne dran glauben? Sollen die Knie zertrümmert oder alle Finger abgeschnitten werden? Eine Wahl, die niemand treffen kann, schon gar nicht unter Todesangst und innerhalb von nur 60 Sekunden. Sollte das Opfer aber keine Wahl treffen, dann treten eben beide genannten Optionen in Kraft … natürlich will der Killer – so sagt er es – seine Opfer gar nicht töten. Jedenfalls gibt er sich Mühe, sie nur zu quälen …

Harter Stoff

„60 Sekunden“ würde als Verfilmung wohl keine Jugendfreigabe erhalten. Und auch in schriftlicher Form ist die Lektüre alles andere als unterhaltsam. Die Wortwahl ist manchmal sehr ausfallend und wenngleich dem Leser Ausschweifung in Sachen Folterbeschreibung erspart bleiben, macht sich doch die eigene Fantasie selbstständig und zaubert unschöne Bilder in den Kopf. Nicht falsch verstehen: das soll gar kein Kritikpunkt sein. Wer sich vorher den Text auf dem Buchrücken durchliest, muss auf genau das vorbereitet sein und weiß in etwa, worauf er sich einlässt. Für zartbesaitete Leser ist dieser Thriller also wirklich nichts!

Mal abgesehen davon, dass die Thematik nicht ganz ohne ist, ist das Buch unheimlich spannend geschrieben. Viele Dialoge tragen zu einem flüssigen Lesefluss bei, sodass man nur so von einer Seite zur nächsten gleitet und dabei die Zeit vergisst. Sie Spannung wird gleich auf mehreren Ebenen gehalten. Zum einen rätselt man natürlich mit, wer dieser verrückte Killer denn nun eigentlich ist, zum anderen fragt man sich sogar immer wieder, ob das aktuelle Opfer überleben wird oder nicht. Und dann wäre da ja noch der Ermittler in diesem Fall. Hier stellt sich die Frage, ob seine Familie in die Mordserie mit hinein gezogen wird und wenn ja, wie tief.

Spannung und Nervenkitzel

„60 Sekunden“ hat nur wenige Stellen, an denen das Lesen etwas langwierig voran geht, dafür wird über viele Seiten hinweg eine enorme Spannung gehalten. Einziger Nachteil: die Protagonisten sind nicht sonderlich sympathisch. Wir bekommen es bei John Spader mit einem Detective zu tun, in den man sich als Leser nur schwer hineinversetzen kann. Während bei Krimis und Thriller oftmals der Ermittler besondere Sympathien bei den Lesern erhält, ist Spader eher der Typ, den man sonst als Randfigur mit einem „mag ich nicht besonders“ abgetan hätte. Hier hat aber eben dieser Typ nunmal die Hauptrolle bekommen. Das ist aber nicht weiter schlimm, nicht immer muss man den „Guten“ einer Geschichte mögen, wenn die Spannung und die Story überzeugen kann – und das ist bei „60 Sekunden“ der Fall!

60 Sekunden

60 Sekunden
8.9

Lesefluss

9.0 /10

Schreibstil

8.9 /10

Spannung

9.1 /10

Story

8.7 /10

Pros

  • Spannend und brutal
  • Viele Dialoge führen zu einem guten Lesefluss
  • Auch Leser tappen lange im Dunkeln

Cons

  • Nicht allzu sympathische Hauptfigur

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