96 Mill (PC)

In dem Indie-Abenteuer 96 Mill von Etheral Darkness Interactive geht es auf Geisterjagd. Ihr wurdet nämlich damit beauftragt, den verlassenen Gebäudekomplex abzureissen. Als ihr aber ankommt und anfangen wollt, beginnt ihr seltsame Dinge zu sehen. Mit jedem neuen Raum steigen die Geheimnisse, die auf dem Gelände an der 96 Mill Street lasten…

Setting

Es klingt eigentlich so einfach: Unter der Anleitung eures Chefs müsst ihr an bestimmten Punkten auf dem Gelände eine Reihe von Sprengsätzen anbringen und diese in die Luft jagen, um die Gebäude endgültig abzureissen. Aber wenn’s damit getan wäre würde sich das „Abenteuer“ etwas in Grenzen halten. Da wäre zum Einen der gruselige Ruf, den das Gelände hat: Von verschwunden Personen, von Geistern und Flüchen ist die Rede, aber daran glaubt ihr natürlich nicht. Und dann wären da noch die Unmengen an verschlossenen Türen, die euch beim Durchqueren der Gebäude das Leben schwer machen. Die ganzen Barrikaden sind besonders verwunderlich, weil es trotzdem jemand geschafft hat, alle Sprengstellen fein säuberlich zu markieren. Aber daran verschwendet ihr keine großen Gedanken. Holt eure Ausrüstung aus dem Auto, sucht einen Eingang und los geht die wilde Geisterjagd!

Gameplay

In 96 Mill erkundet ihr das Gelände, dass dem Spiel seinen Namen gibt. Der Spielstil erinnert dabei an Klassiker wie Myst oder The 7th Guest. Ihr bewegt euch während des Spiels durch verschiedene Szenen, die alle durch echte Fotos eines gruseligen Industriekomplexes dargestellt sind. Verbunden mithilfe von einer Übersichtskarte bilden diese Szenen dann quasi die Spielwelt. Innerhalb der Szenen gibt es interaktive Objekte. Manchmal können das Rätsel sein, die ein bestimmtes Objekt erfordern, oder auch verschlossene Durchgänge. Beim Durchqueren der Szenen findet ihr dann neue Schlüssel, die euch neue Gebiete erschließen, Audiotapes, welche die Geschichte vorantreiben, und zwischendurch den ein oder anderen Gruselmoment. Da das Spiel komplett mit der Maus gesteuert wird und keine Überlebensmechaniken hat, ist das Spiel zudem auch recht einfach und sehr einsteigerfreundlich.

So sieht es zumindest in der Theorie aus, aber wie ist das Ganze umgesetzt? Um euch durch die Spielwelt zu bewegen habt ihr entweder die Möglichkeit, über die Karte der Spielwelt direkt zu der Szene zu springen, die ihr sucht, oder ihr klickt euch durch die einzelnen Szenen, bis ihr am gewünschten Ort angekommen seid. Soweit so gut, das ist ja in The 7th Guest zum Beispiel auch nicht anders. Allerdings sieht man dort, sowie auch in anderen Spielen dieser Art, wie sich der Charakter von einer Szene zur Anderen bewegt. Das ist in 96 Mil nicht der Fall, das höchste der Gefühle bleibt ein schwarzer Ladebildschirm, und auch wenn das an sich erst mal irrelevant klingt, macht das die Orientierung in 96 Mil grade am Anfang unglaublich schwierig. Ein Bisschen hilft die Karte des Spiels, die anzeigt, wie die einzelnen Szenen miteinander verbunden sind, aber durch die hastigen Sprünge zwischen ihnen kann man sich kein wirkliches Gesamtbild der Anlage machen. Dazu kommt noch, dass die Anzahl an einzelnen Räumen in den Außenbereichen der Anlage noch recht übersichtlich ist, innerhalb der Gebäude wird das Szenennetz aber unglaublich komplex.

Ein weiteres kleines Problem ist das Tempo des Spiels, was stark mit der Art der Rätsel zusammenhängt. Sehr oft bestehen die Rätsel nämlich einfach daraus, dass ihr in irgendeiner Tonne einen Schlüssel findet und rausfinden müsst, was dieser eigentlich aufschließt. Und in 96 Mill gibt es wirklich eine MENGE verschlossener Türen, die ihr ausprobieren könnt. Das führt dazu, dass sich der Fortschritt im Spiel ziemlich unregelmäßig anfühlt. Ihr findet einen Schlüssel, sucht, versucht und überlegt 10 Minuten lang, bis ihr plötzlich voran kommt, völlig problemlos eine Reihe an Räumen erforscht und wieder stecken bleibt. Auch die tatsächlichen Rätsel im Spiel sind absolut nichts besonderes. Ihr müsst in der Regel einfach den richtigen Gegenstand finden, ihn einmal anwenden und das war’s dann.

Abseits des Gameplay warten aber einige komplexe Erzählstränge auf euch. Zum Einen unterhält sich über den Verlauf des Spiels euer Chef per Walkie-Talkie mit euch, und nebenbei könnt ihr ausserdem eine ganze Reihe an Voicerecordern einer paranormalen Podcasterin finden. Beide Erzählstränge machen das Erforschen schön spannend und zeichnen sich durch wirklich fähiges Voiceacting aus. Ebenfalls bemerkenswert sind die acht verschiedenen Enden, die ihr bei mehreren Durchläufen finden könnt und einen Revisit wirklich lohnenswert machen. Und während das Gameplay zwar nicht wirklich begeistern kann, zieht einen die aufgebaute Atmosphäre um so schneller ins Spiel. Die wirklich als „gruselig“ gedachten Momente sind meistens nur das Auftauchen und Verschwinden irgendeiner Person beim Betreten einer Szene und wirken selten wirklich überraschend…

Grafik und Sound

Für eine schaurige Atmosphäre sorgen aber gleich zum Start die schön gewählten Schauplätze, die man als Fotos im Spiel erkundet. Ein- Zwei Winkel sitzen nicht ganz, aber das Erkunden dieses echten Komplexes macht wirklich Spaß. Und im Gegensatz zu 99% der aktuellen Horrorspiele besteht die Atmosphäre nicht nur aus billigen und dauerhaften Jumpscares.
Ebenfalls gut gemacht sind die Musik und die Sounds des Spiels, hier ist aber nochmal besonders das (für ein so kleines Projekt) tolle Voiceacting zu erwähnen, dass eine spannende Erzählung aufbaut.

Fazit

96 Mill kann mit einem tollen Erzählstil und spannender Atmosphäre glänzen, die sich knapp über das ziemlich trockene Gameplay hinwegsetzt.

96 Mill (PC)

96 Mill (PC)
6

Setting

7.0 /10

Gameplay

4.0 /10

Grafik und Sound

7.0 /10

Pros

  • Schöne und gruselige Umgebungen
  • Spannende Erzählungen
  • Gutes Voiceacting

Cons

  • Kaum wirkliche Rätsel
  • Orientierung sehr schwer

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