A Trip to Yugoslavia: Director’s Cut (PC)

Wer schon etwas länger Adventures spielt, der wird sich sicher an FMV-Spiele wie „The 7th Guest“ erinnern. Abenteuer, in denen die Zwischensequenzen nicht mit Cartoons oder 3D-Modellen, sondern von echten Schauspielern durchgespielt werden. Das verlieh dem Ganzen einen sehr eigenen Charme, nicht zuletzt dadurch, dass die Filmchen oft vor sechstklassiger Schauspielerei strotzten. Durchgesetzt hat sich die Idee aber nicht wirklich. Umso erstaunlicher ist es, dass wir jetzt Anfang 2017 ein neues FMV-Abenteuer geliefert kriegen. „A Trip to Yugoslavia“ war als ein Schulprojekt gedacht und ist mittlerweile für kleines Geld erhältlich.

Setting

Wie so oft fängt alles friedlich an: Dimitri wollte eigentlich nur ein paar Fotos schießen, als er einen Wald in Jugoslawien betritt. Zu diesem Zeitpunkt hätte noch niemand geahnt, dass das Land kurz vor einem brutalen Bürgerkrieg steht. Als dieser dann ausbricht, ist Dimitri in dem Wald auf sich alleine gestellt und muss sich ohne Kampf- oder Überlebenstraining mehrere Monate gegen gut gerüstete Soldaten beweisen. Eure Aufgabe ist dabei, Dimitri bei wichtigen Entscheidungen zu helfen, die seine Reise beeinflussen werden, Rätsel zu lösen und vor allem zu überleben. Euch erwartet eine interessante und anstrengende Reise, deren Ausgang man nur erahnen kann. Die Frage ist, ob man das denn will…

Gameplay

Einzigartig ist „A Trip to Yugoslavia“ auf alle Fälle. Im Verlauf des Spiels wird gemischt zwischen Videopassagen, deren Ausgang man über Quicktime-Events und Entscheidungen festlegt, Objekterätseln im klassischen Adventurestil und einem sehr konsequenzlastigen Spielaufbau. Ist einmal eine Entscheidung getroffen, lässt sich diese nicht mehr rückgängig machen, bis man das Spiel beendet und neu beginnt. Ein weiteres Gimmick ist die Aufmachung des Spiels, denn alles wird auf einem alten VCR-Gerät dargestellt. Das bringt neben ordentlichem Retrofeeling auch die Möglichkeit mit, Videoclips vor- oder zurückzuspulen, wenn man stirbt, beispielsweise. Stellen, an denen man sterben kann, gibt es genug. Oft hängt das eigene Überleben von der Meisterung eines einzelnen Quicktime-Events ab. Zusammengefügt bilden diese ganzen Einzelteile ein einmaliges Spielkonzept, wie ich es von der Indieszene kenne und liebe.
Nörgeln kann man trotzdem. Wer das Spiel nämlich einmal startet, wird direkt vom ernsten Ton der Thematik und auch dem ziemlich professionell wirkenden Interface mitten ins Spiel gezogen… bis die tatsächlichen Videoszenen starten. Man muss dabei bedenken, dass es sich um ein Schulprojekt handelt und ein Budget dementsprechend nicht vorhanden ist. Aber die Schauspielerei in „A Trip to Yugoslavia“ ist wirklich absolut grottig und unterbietet selbst die klischeehaftesten Vertreter des Genres um Längen. Das wäre kein großes Problem, wenn man sich nicht im Großteil des Spiels damit befassen müsste. Leider machen Kinder mit Plastikwaffen und den steifsten Bewegungsabläufen seit Langem jene Authentizität zunichte, die das Spiel wirklich ausmachen sollte. Auch die starke Abhängigkeit von Quicktime-Events wird schnell ermüdend. Für eine Erfahrung, die einen an den Bildschirm fesseln sollte, macht das mehrfache Scheitern eines Knopfdrucks wenig Freude. Dazu kommt in den tatsächlichen Adventurepassagen noch eine quälend langsame Bildscrollgeschwindigkeit, die einen die Quicktime-Events zurückwünschen lassen.

Grafik und Sound

Sieht man mal von den Schauspielern ab, kann sich „A Trip to Yugoslavia“ schon sehen lassen. Besonders die Aufmachung des VCR-Gerätes ist unglaublich authentisch und hat eine charmante, unheimliche Präsenz, wie sie Spiele heutzutage häufig nutzen. Auch die Musik ist für ein so kleines Projekt sehr vernünftig, und da die Szenen ohne gesprochene Dialoge ablaufen, kann man das Spiel auf Deutsch und Polnisch spielen.

Fazit

Durch den geringen Preis lohnt sich ein Blick auf jeden Fall. Eine Reise mit Schwächen, aber auf jeden Fall eine interessante Reise.

 

A Trip to Yugoslavia: Director's Cut (PC)

0,99
A Trip to Yugoslavia: Director's Cut (PC)
7.5

Setting

9/10

    Gameplay

    6/10

      Grafik und Sound

      9/10

        Pros

        • Interessantes Konzept
        • Geringer Preis
        • Retrofeeling durch das VCR

        Cons

        • Miese Schauspieler
        • Etwas klobige Mechaniken

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