Adolf total

Darf man über den Zweiten Weltkrieg und vor allem über Adolf Hitler Witze machen? Als Deutscher? Klar, warum nicht? Die Vergangenheit ist grausig genug, da darf man doch eine Figur wie Hitler ruhig Jahrzehnte später durch den Dreck ziehen, bietet er sich im Nachhinein dazu doch förmlich an. Viele deutsche Komödien behandeln mittlerweile das Thema, zahlreiche Sketche in Comedysendung ziehen ihn durch den Kakao. Das Wichtigste dabei ist einfach, dass der Zuschauer oder Leser niemals Sympathie mit Hitler empfindet – und das ist bisher immer sehr gut gelungen.

Ein Tabubruch, der eigentlich keiner mehr ist

Es ist kaum verwunderlich, dass auch ein Künstler wie Walter Moers – dessen Zeichnungen vor allem durch den Film „Das kleine Arschloch“ allgemein bekannt geworden sind – sich früher oder später der Figur Hitler annehmen musste und ihn in mehreren Comicstrips ordentlich auf die Schippe genommen hat.

Mit „Adolf total“ sind nun – man kann es bei dem Titel fast schon erahnen – mehrere Bänder in einem Buch zusammengefasst im Penguin Verlag erschienen. „Adolf, die Nazisau“ heißt die Reihe, aus der diese drei Geschichten stammen. Obendrauf gibt es in diesem Gesamtband noch ein paar Seiten Bonusmaterial zu sehen und zu lesen.

Bevor man sich nun dieses Buch zulegt, sollte man sich überlegen, ob man 1. Gags über Hitler lustig finden kann und 2. den Humor von Moers teilt. Ist eins von beidem nicht der Fall, wird man logischerweise auch keinen Gefallen an „Adolf total“ finden. Kann man beide Punkte jedoch bejahen, ist dies immer noch kein Garant dafür, dass hier die Lachmuskeln ordentlich strapaziert werden.

Wenn dieses Ding mit der „Geschmackssache“ nicht wäre…

Ich zum Beispiel hab bei dem Film „Das kleine Arschloch“ damals echt Spaß gehabt. Und ich kann durchaus über Hitler-Parodien schmunzeln. Und doch hat mich „Adolf total“ nur sehr selten überhaupt zum Lächeln gebracht. Vielleicht bin ich ja aus dem Alter raus, dass Moers meinen Geschmack trifft? Fakt ist jedenfalls, dass mir das Buch etwas zu albern und überzogen ist. Außerdem stört die „Sprachweise“ der Hitler-Figur den Lesefluss ungemein. Moers bedient sich nämlich nicht der korrekten Schreibweise, sondern lässt die Hauptfigur in etwa so sprechen: „Äch könnte eine Kräuterlämonade nächt öbel verkraften. Aber äch habe keinen Pfännig Gäld“. In ausgesprochener Form kommt das vielleicht lustig rüber – in geschriebener Form ist das auf Dauer allerdings sehr mühselig.

Ein weiterer Kritikpunkt: ja, man kennt den unter die Gürtellinie gehenden Humor von Moers aus dem „kleinen Arschloch“. Und ja, das mag nicht jeder. Aber bei den Adolf-Geschichten hat er doch schon ordentlich den Vogel abgeschossen und wird manchmal sehr niveaulos. Nicht schlimm, dass Hitler das abbekommt, sicher nicht! Aber man hätte doch etwas mehr Intelligenz bei der Art von Humor erwartet. Hitler auf’s Korn nehmen mit spitzem Humor gepaart mit Moers-Zeichnungen – das wäre es doch gewesen!

Stattdessen sind es leider nur die Zeichnungen, die auf hohem Niveau und wie von Walter Moers bekannt gut sind. Die Geschichten selbst sind vollkommen surreal und werden von Seite zu Seite abstruser, sodass man sich nicht einmal daran erfreuen kann, dass der „echte“ Hitler nieder gemacht wird. Wer die Adolf-Geschichten mochte und seine Sammlung mit diesem Sammelband vervollständigen möchte, wird sich am Bonusmaterial erfreuen. Wer auf niveauvolle Unterhaltung trotz Bruch mit einem Tabuthema gehofft hat, wird enttäuscht.

Adolf total

Adolf total
4.8

Zeichnungen

8.5 /10

Humor

3.0 /10

Lesbarkeit

3.0 /10

Pros

  • Typische walter Moers Zeichnungen in hoher Qualität
  • Bonusmaterial für Sammler

Cons

  • Humor, der unter die Gürtellinie geht
  • Schlecht lesbare Dialoge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.