Assassin’s Creed (Kino)

Viele haben sicher schoneinmal davon geträumt, ihre Lieblingsspieleserie auf der großen Leinwand zu sehen. Leider ist diese Vorstellung in den letzten Jahren wohl eher ein Albtraum geworden, denn während Videospiele und Filme seperat zwei wunderbare Medien sind, wurden Verfilmungen von Spieleserien oft absolute Desaster. Ob es nun an mangelndem Budget, mangelndem Talent oder ausbleibendem Erfolg lag: Die Liste an gescheiterten Versuchen ist lang und reicht von Doom bis Prince of Persia. Bei vielen hat sich also vermutlich ein eher mulmiges Gefühl breitgemacht, als dann ausgerechnet Assassin’s Creed verfilmt werden sollte. Mit der Star-Besetzung des Films, dem ordentlichen Budget hinter der Produktion und starkem Support von Ubisoft selber hat das historische Actionspektakel aber immerhin eine vernünftige Chance.

Das Setting

Bei so vielen Epochen, die in der Assassin’s Creed-Reihe etabliert wurden, für welche hat sich Ubisoft im Film wohl entschieden? Großspurige Piratenabenteuer mit Edward aus AC4? Ezio’s spannende Verfolgungsjagden durch Florenz aus AC2? Connor’s Rolle im Bürgerkrieg Amerikas, so wie in AC3? Für keines von denen, stattdessen geht es in den Vergangenheits-Parts des Films in das Spanien des 15ten Jahrhunderts. Das ist da im eisernen Griff der Templer, die Jagd auf die verbleibenden Assassinen machen, um an den Edenapfel zu kommen, ein Artefakt, das genutzt werden kann um den freien Willen des Menschen zu kontrollieren. Wer sich jetzt fragt, in welchem Spiel das denn vorgekommen ist, dieses Setting wurde in keinem der Spiele behandelt. Es scheint so, als hätte man sich dazu entschieden, für das Filmuniversum eigene Geschichten innerhalb des bestehenden Kanons zu etablieren. Zum einen bleibt so die Atmosphäre und Geschichte des Films auch für Fans der Serie interessant, die vielleicht ihre Lieblingscharaktere nicht sehen werden, dafür aber etwas Originelles geliefert kriegen. Zum Anderen können Kinobesucher ohne Vorwissen über die Serie recht simpel in das Geschehen eingeführt werden.

Im Grunde geht es aber auch hier wieder um den Konflikt zwischen der Bruderschaft der Assassinen und den Templern, denen in der Zukunft die Firma Abstergo gehört. Während in der Zukunft hauptsächlich die Interaktion mit dem Animus, sowie die mentalen Konsequenzen für den Protagonisten behandelt werden, bestehen die Vergangenheitsszenen hauptsächlich aus Verfolgungsjagden, akrobatischen Kunststückchen und Schwertkämpfen mit atemberaubenden Panoramashots. Ist ja im Spiel auch nicht anders. Man merkt jedoch recht schnell, dass das Setting für ein Videospiel nicht gereicht hätte. Die Atmosphäre baut sich zwar recht schnell auf, die Konflikte zwischen Sultanen und den Templern sind aber innerhalb der paar Stunden recht schnell gelöst und auch geschichtlich gibt das Setting, im Gegensatz zu seinen Videospielbrüdern, deutlich weniger her. Dafür bieten sich die Filme meiner Meinung nach aber an. Nicht jede Epoche hat Substanz für ein 60-Euro Blockbusterspiel und während einige bereits in Serienspinoffs behandelt wurden (Imperiales China, Indien und die russische Revolution), scheint für andere ein mehrstündiger Kinofilm eine gute Option zu sein, sofern sie denn vernünftig aufgebaut sind.
Dazu kommen wir jetzt.

Die Geschichte

Seinen Geburtstag verbringt Callum Lynch (Michael Fassbender) in der Todeszelle eines Staatsgefängnisses in Texas. Die Uhr steht auf kurz vor 6, dem Zeitpunkt seiner Hinrichtung, und es scheint als sei dies das Ende für unseren Protagonisten. Ein letzter Blick in die Galerie der Anwesenden, seinen Vater sieht er „in der Hölle“. Seine letzten Worte, gerichtet an den Mann, den Assassinen, der vor 30 Jahren Callum’s Mutter umbrachte. Die Uhr schlägt.

Die Injektion beginnt, und Callum driftet ab, blickt auf sein Leben zurück… und wacht auf. In einer erschreckend sterilen Anlage des Abstergo-Unternehmens. Die charmante Dr. Sophia Rikkin (Marion Cotillard) erklärt ihm, dass sie ihn gerettet haben, um die Erinnerung eines Vorfahrs zu erforschen, die in seiner DNS gespeichert ist.
Dieser Vorfahr ist der spanische Assassine Aguilar de Nerha, dessen Bruderschaft den Apfel von Eden mit ihrem Leben beschützen will. Dieser darf nämlich nicht in die Hände der Templer fallen, die mit seinen Geheimnissen die Welt unterjochen wollen und die Bruderschaft auslöschen würden. Doch genau das droht nun zu passieren, denn der Apfel ist im Besitz des Sultans, dessen Sohn nun von den Templern als Geisel gehalten wird. Schaffen es die Assassinen nicht, den Prinzen zu befreien, fällt der Apfel in die Hände der Templer und Abstergo findet den geheimen Ort heraus, an dem sich der Apfel von Eden heute noch befinden soll…

Von da an entbricht ein ständiges hin und her zwischen Vergangenheit und Zukunft, Templern und Assassinen, bei dem man sich öfter fragt, welche Seite jetzt überhaupt die Gute sein soll. Beide Seiten scheinen heimliche Motive zu haben und wollen sich gegenseitig den Garaus machen. Diesen Konflikt stellen die Schauspieler, sowohl Fassbender als auch Cottilard, ziemlich gut dar, es entsteht ein spannendes Hin- und Her bei den Gegenspielern, sogar innerhalb der eigenen Fronten. Aber leider ist das Geschehen von Assassin’s Creed etwas zu komplex für einen Stummfilm. Was eigentlich schade ist, denn wo das Setting eine spannende Atmosphäre aufbaut, sind die Dialoge teilweise ziemlich stumpfsinng. Von halbgaren Sinnierungen der Templer über die „Gedankenkontrolle durch den Konsum“ oder absolut vorhersehbaren Twists der Geschichte bis hin zu lähmenden Gesprächen, welche die Action zu einem kreischenden Halt bringen, wirken die Texte der Schauspieler eher reif für ein Schultheaterstück als die große Leinwand. Zum Glück kann sich Potenzial ja nicht nur in den Dialogen äußern.

Die Umsetzung

Denn zumindest in der technischen Exekutive hält sich Assassin’s Creed recht ordentlich. Dem Zuschauer werden verschiedenste (und recht beeindruckende) Schauplätze geboten, von den sterilen Abstergo-Komplexen bis hin zu sandigen Burgen und Tälern. Für viele ist sicher der Animus am interessantesten, die Maschine, mit der die Templer die Erinnerungen der Assassinen erforschen können. In diesem Fall ist der Animus ein gigantischer Greifarm, der den Nutzer in alle möglichen Richtungen bewegen kann, Stürze simuliert und das Geschehen in eine Art Nebel projeziert. Mal abgesehen davon, dass der Greifarm erstaunlich an GlaDOS aus Portal erinnert, wirkt die Konstruktion etwas exzessiv, aber glaubwürdig. Auch allgemein, vom Verhalten der Assassinen, der Templer und der Gestaltung der Welt im Allgemeinen fügt sich der Film eigentlich recht gut in den vorhandenen Videospielkanon ein. Mir persönlich fehlten etwas die historischen Details im Film, die alle Assassin’s Creed-Spiele eigentlich ausmachen.

Action gibt es dafür reichlich, kaum eine Szene (in der Vergangenheit) vergeht ohne Schwertkämpfe oder Jagden über die Flachdächer der Stadt, was dem Stil der Spiele doch recht nahe kommt. Alles ist schnell. Fast etwas zu schnell. Um ehrlich zu sein, für all die Kämpfe und brutalen Themen, die der Film behandelt (unter anderem das Verbrennen von Ketzern), sieht es stark danach aus, als hätte man alle Actionszenen möglichst so geschossen, dass bloß kein Blut oder anderweitige Gewalt zu sehen ist. Ich habe zwar kein Texas-Chainsaw-Massacre erwartet, aber selbst die Reihe der Videospiele scheut nicht dafür, Gewalt zu zeigen. Die Filmadaption kommt trotz Freigabe ab 16 kaum über Herr-der-Ringe-Standarts hinaus.
Umso mehr sehen wir dafür Panoramashots mit Falken, Rauchbomben, Kostüme mit Kapuzen und selbst der berühmte „Todessprung“ hat einen kleinen Auftritt. Für eine Filmadatption eines Videospiels muss man sagen, dass man dem Grundmaterial eigentlich doch recht treu geblieben ist. „Assassin’s Creed: Der Film“ fühlt sich wirklich als Teil der ganzen Reihe an, mit einer eignenen Daseinsberechtigung. Das, was der Film neu einführt, ist interessant genug, um Quereinsteiger der Serie zu unterhalten, aber auch nicht so distanziert vom Original, als dass man Serienfans abschrecken würde.

Das Fazit

Mir hat Assassin’s Creed gut gefallen, und das mit einem ordentlichen Vorwissen zur Serie. Natürlich gibt es Kritikpunkte. Die Actionszenen wirken hektisch, die Dialoge sind etwas albern, auch das Pacing der Geschichte ist manchmal ein wenig holperig. Aber der Film ist unterhaltsam. Und zwischendurch ist das Potenzial einer AC-Filmreihe deutlich spürbar. Das liegt unter anderem an der guten Arbeit der Schaupspieler, besonders Fassbender, dem authentisch umgesetzten Setting (zum Beispiel durch die Untertitelung spanischer Dialoge) und großräumiger Action.

Assassin’s Creed ist kein Meisterwerk, aber ein vernünftiger Einstieg in eine (hoffentlich kommende) Filmreihe, und ein sehr ordentlicher Schritt dahin, was Videospielverfilmungen eigentlich sein sollten.

Assassin's Creed

Assassin's Creed
6

Setting

6.5 /10

Geschichte

6.5 /10

Umsetzung

5.0 /10

Pros

  • Eigene und originelle Geschichte
  • Tolle Effekte und Panoramabilder
  • Charaktere gut dargestellt

Cons

  • Klischeehafte Dialoge
  • Action zu hastig

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