Blade & Bones (PC)

Schwert gezückt und los! Im Kampf, Mann gegen Mann, überleben nur die Besten. Das ist die Idee hinter nahkampfintensiven Spielen wie Dark Souls, Bloodborne… Oder nun eben auch Blade & Bones. Im Gegensatz zu seinen Vorbildern kämpft ihr hier aber nicht nur gegen abstruse und gigantische Bosse: Eure größten Gegner sind oft so sterblich wie ihr selbst, und haben nicht viel bei sich, ausser vielleicht einem Schwert, wie ihr selbst. Im November 2016 ist das Spiel auf den Markt gekommen und verspricht eine ordentliche Herausforderung für die meisten Spieler, mit einer begrenzten Anzahl an Leben und spannenden Kämpfen, bei denen jeder Fehler hart bestraft wird.

Setting

Zu Beginn des Spiels ist über eure eigentliche Herkunft und euer Ziel noch nicht viel klar. Ihr lernt die „biblische“ Geschichte des Landes kennen, und erfahrt, dass ihr ein Orin seid, eine Kreatur, die im Bilde des Herrschers Niro erschaffen wurde. Doch als die Orin anfingen sich zu bekämpfen, vernichtete er sie. Jetzt sind nur noch wenige übrig, und es ist eure Aufgabe, die sieben Schwerter des Landes Asocrac zu finden… Das wirkt bei einem ersten Durchlauf und vor allem am Anfang ziemlich überladen, da sich das im Grunde wie die biblische Entstehungsgeschichte mit Fantasiewörtern anhört. Tatsächlich geht es im Spiel selber eigentlich hauptsächlich um die actionreichen Schwertkämpfe, während die Spielgeschichte in einzelnen Fundstücken über die gesamte Karte verteilt und eher optional ist, obwohl sich das Suchen und Zuhören lohnt.

Gameplay

Nun, wenn sich das Spiel aber so sehr durch seine Konfrontationen auszeichnet, dann müssen die ja der Wahnsinn sein, oder? Nach einem wirklich kurzen und flachen Tutorial geht es direkt hinaus in die Welt. Ihr seht vermutlich ein rotes Schwert, hebt es auf, lest irgendwas über Meditation und rennt in den ersten Gegner vor euch, der euch mit ein paar Schlägen kräftig auseinander nimmt. Ihr sterbt, verliert eine „Reinheit“ und euch steht erstmal ein großes Fragezeichen im Gesicht. „Reinheit“? „Meditation“? Wozu brauche ich „Relikte“? Hä?

Der Start ins Spiel könnte einem bei Blade & Bones deutlich leichter gemacht werden, aber die Einarbeitung lohnt sich, denn das Konzept ist unglaublich vielversprechend. Im Grunde startet ihr das Spiel mit sieben „Reinheiten“. Anders gesagt, ihr habt sieben Leben, um das Spiel abzuschließen. Verliert ihr alle sieben „Reinheiten“, löscht das Spiel euren Speicherstand und ihr verliert ALLES. Zwar könnt ihr „Reinheiten“ wiedererlangen, dennoch ist das selbst für die versiertesten Zocker eine ziemlich harte Ansage, da auch die Schwierigkeit des Spiels selbst sich nicht verstecken muss.

Die „Meditation“ hingegen ist im Grunde euer Hauptmenü. Die Kämpfe in Blade & Bones sind nämlich ausschließlich Schwerkämpfe, mit Katanas, um genauer zu sein, und für Schwertkämpfe braucht ihr natürlich auch ein Schwert. Von denen gibt es im Spiel mehrere zu finden, die unterschiedlich aussehen, eigene Werte haben und sich über drei Seltenheitsgrade verteilen. Neben den Schwertern könnt ihr auch noch eine ganze Reihe an Kampfstilen finden, die ihr nach Lust und Laune zusammensetzen und euren eigenen Spielstil aufbauen könnt, so zumindest die Theorie. Relikte sind dagegen Items, die euch ausserhalb von Kämpfen weiterhelfen. Es gibt einige davon, das erste Relikt, dass ihr zu Anfang besitzt, führt euch aber zum Beispiel in die jeweilige Richtung der sieben Schwerter. Diese Anpassungsmöglichkeiten sind das Herzstück von Blade & Bones, das sonst stark an die Souls-Serie erinnert. Eure Möglichkeiten im Kampf sind leichte Attacken, schwere Attacken und die obligatorische Ausweichrolle. Damit wehrt ihr euch nicht nur gegen die in der Landschaft meditierenden Schwertkämpfer, deren Ableben euch neue Schwerter und Stile bringt, sondern auch gegen eine ganze Reihe von coolen Bossen, die durch Asocrac wuseln. Hatte ich erwähnt, dass Gegner und Events auch durch den Tag-Nacht-Zyklus beeinflusst werden, den ihr sogar selbst manipulieren könnt? All das klingt so gut, so vielversprechend, so fordernd!

Bis man dann tatsächlich anfängt, denn die Ausführung dieser Konzepte fährt im Spiel selber gegen mehr als nur ein paar Wände. Bei Vielen hört der Spaß vermutlich schon viel früher auf, denn das Tutorial hält sich mit seinem Informationsgehalt deutlich zurück und erklärt grundliegende Spielkonzepte wie die Rolle von Schwertstilen, den „Reinheiten“ oder der eigenen Ausdaueranzeige entweder zu spät, viel zu oberflächlich oder garnicht. Auch eine Richtung, einen Anfangspunkt kriegt man nicht. Natürlich soll man das Spiel erforschen, aber wieso gibt es nicht zumindest einen leichten roten Faden zum ersten Schwert? Zum wirklichen „Reinkommen“ ins Spiel gehört also eine Menge Eigenarbeit und Geduld, die viele vermutlich nicht aufbringen werden.

Die Kämpfe selber sind schwer, was ja auch die Idee der Sache ist, die Schwierigkeit der Kämpfe variiert aber stark. Das liegt zum Teil an der KI der Kämpfer. Während manche euch binnen Sekunden völlig zerstören, wackeln andere vor und zurück, weichen ins absolute Nichts aus oder lassen sich durch einfachste Taktiken besiegen. Auch eure eigenen Bewegungen fühlen sich steif und unpräzise an, die Reichweiten von Angriffen sind schwer abzuschätzen, was für Blade & Bones leider ziemlich fatal ist.

Eine viel größere Rolle spielen da aber die Kampfstile und Schwerter. Schwerter, beispielsweise, findet ihr an jeder Ecke, und nicht zu knapp. Während die Designs sich allerdings unterscheiden, sind die Werte, auf die es eigentlich ankommt, fast immer beinahe identisch, was das Wechseln eines Schwertes innnerhalb einer Schwierigkeitsstufe völlig überflüssig macht. Will man es genau nehmen, ist jedes neu gefundene Schwert allerdings scheinbar in allen Punkten dem vorherigen überlegen. Hat ein Schwert denn keine Eigenschaften? Ist ein Steinkatana nicht langsamer als eins aus Metall, hat aber mehr Wucht? Balanced sieht anders aus.

Anders sieht es bei den Schwertstilen aus, denn hier wird Überlegenheit ziemlich schnell klar. Die Schwierigkeit der Kämpfe schwankt extrem mit den Stilen der Kämpfer. Nimmt man zum Beispiel zwei Stile, einen mit breiten, langsamen Attacken, den anderen mit langen Stichattacken, so hat der letztere einen klaren Vorteil. Was die Stichattacken nämlich eigentlich einbüßen sollten, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Gegner zu treffen, das ist aber durch das automatische Mitdrehen des Kämpfers bei Zielanvisierung absolut irrelevant. Die Idee von einem eigenen und dynamischen Spielstil geht damit leider recht schnell den Bach runter, was traurigerweise auch das Spiel an sich runterreisst. Im Endeffekt ist man versucht, an Gegnern einfach vorbeizusprinten um in das nächste Areal zu gelangen. So war das irgendwie nicht geplant.

Grafik und Sound

Die Welt, in der Blade & Bones spielt, sieht einfach nur fantastisch aus. Nein, das ganze Spiel sieht fantastisch aus, mit lebendigen und farbenfrohen Umgebungen, die sich alle unterschiedlich anfühlen. Auch das Design der Kämpfer ist interessant, mit wolfartigen Masken und unterschiedlichen Rüstungen, die sich von Gebiet zu Gebiet unterscheiden, von den Bossen mal ganz abgesehen, die auch eine Klasse für sich sind. Leider sind viele der Animationen aber alles andere als lebensecht. Abgehackte Sprünge und sperrige Angriffsschläge, alles fühlt sich einfach so unglaublich unpraktisch an. Der größte Witz sind aber die zerstörbaren Gegenstände der Umgebung, die weniger an das gewaltsame Brechen eines Eichenfasses erinnern, sondern eher an das Ergebniss eines D-Böllers unter einer Reiswaffel. Die Schriftarten und Menüs, abgesehen von dem recht gut gemachten Meditationsmenü, wirken billig und schlicht, aber nicht auf die gute Weise. Der Sound ist, abgesehen von recht respektablem Voiceacting, eher mittelprächtig. Die Soundeffekte sind unglaubwürdig und die Musik, auch wenn atmosphärisch, geht einem schnell auf den Keks.

Und trotz allem, die Brücke über diesem Wasserfall… Wow.

Fazit

Es wäre so gut… wenn es doch nur besser wäre. Blade & Bones hätte ein innovatives und intensives Actionrollenspiel werden können, mit einem starken und wunderschönen Artstil. Die technische Ausführung reißt alles aber auf einen kryptischen und gleichzeitig billig und hochwertig aussehenden Buttonmasher runter, der zwar einen Herausforderungsfaktor hat, aber leider nicht auf die Art, die er eigentlich anstrebt.

Blade & Bones (PC)

Blade & Bones (PC)
5.9

Story

6.9/10

Setting

8.0/10

Gameplay

3.9/10

Steuerung

3.9/10

Grafik und Sound

7.0/10

Pros

  • Eine wunderschöne, offene Welt
  • Forderndes Gameplay und Permadeath

Cons

  • Starke Balancingprobleme
  • Träge Steuerung
  • Schwierigkeit schwankt stark

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.