Der Häfen-Report

Das Leben im Gefängnis ist wie das Leben in einer anderen Welt. Plötzlich ist alles anders, man darf nichts mehr selbst entscheiden und man ist auf einen kleinen, engen Raum zum Leben beschränkt. Man befindet sich mit wildfremden Menschen in einer Anstalt, die ebenfalls Böses getan haben. Unheimlich, kalt und beängstigend. So soll es auch sein, sagt manch einer. Denn immerhin landet man nicht ohne Grund im Häfen. Meistens jedenfalls.

Der Blick hinter die Mauern

Sicherlich stimmt das zum großen Teil, doch selten interessieren sich Unwissende, wie es hinter Gittern tatsächlich aussieht. Dort, wo Verbrecher für ihre Strafen büßen und im Idealfall geläutert werden. Doch, wo aber nicht nur Schläger, Diebe und sogar Mörder ihren Alltag verbringen, sondern auch ganz harmlose Bürger, die eben im Häfen ihr Geld verdienen.

Monika Krisper, Redakteurin bei der Kronen Zeitung und zuständig für die Chronik- und Gerichtsberichterstattung, hat sich in den Haftanstalten Österreichs genauer umgesehen und sich Einzelschicksale angehört. Herausgekommen ist ihr Buch „Der Häfen-Report“, in dem sie beeindruckende Einblicke in einer den meisten Menschen – zum Glück – völlig unbekannten Welt gibt.

Aufgeteilt ist das Buch in 12 „Geschichten“, wobei Geschichten nicht wirklich das richtige Wort ist, denn hier handelt es sich um eiskalte Realität. Die Autorin gibt dabei eine gelungene Mischung aus Erzählungen und Fakten wieder. So erfahren wir zum Beispiel einerseits, wie viele Gefängnisse es in Österreich gibt, wie viele Häftlinge zur Zeit in den Häfen sitzen und wieso die Justizanstalt Leoben so luxuriös erscheinen mag.

Vom Direktor über den Schwerverbrecher bis zum Psychologen

Wir erfahren aber auch, wie es ist, ein Gefängnisdirektor einer so großen Anstalt wie der Grazer Karlau zu sein und ob prominente Insassen anders behandelt werden als normale. Besonders beeindruckend zu lesen sind aber die Erfahrungsberichte, so vergisst man zu Beispiel nicht so schnell, was man über die Geiselnahmen im Gefängnis gelesen hat und wie übel das Leben Bernhard H. mitgespielt hat. Dieser Einblick in die Gedanken und Gefühle eines Straftäters regen dann durchaus zum Nachdenken an.

„Der Häfen-Report“ ist nicht einfach in eine Schublade zu stecken – ebenso wie alle Häftlinge in eine Schublade gesteckt werden können. Vielmehr handelt es sich bei diesem Buch um eine Mischung aus Fachbuch, Erfahrungsberichten, Aufklärungsbuch und Denkanreger. Wer mal über den Horizont blicken möchte – oder besser hinter die Mauern – der sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen.

Der Häfen-Report

Der Häfen-Report
9.4

Informationsgehalt

9.5/10

Schreibstil

9.2/10

Pros

  • Sehr informativ und aufklärend
  • Ein wirklich gelungener Einblick in die viele Facetten eines Gefängisses
  • Leicht lesbar und dennoch professionell

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