Die Dorks – Urlaub in der BRD

Früher war alles besser? Das ist so eine Aussage, der einerseits fast jeder zustimmt, die andererseits aber auch vollkommen schwammig ist. Früher vor 5 Jahren? Vor 10? Oder gar vor 20? Kommt wohl immer darauf an, wie alt man selbst ist. Und trotzdem: früher war halt einiges anders. Die Musik zum Beispiel. Begeben wir uns doch mal Richtung Punk, Rock und Metal. Oder auch Hip Hop. Früher konnte man in all diesem Bereichen Melodien erwarten. Die Texte hatten oft Aussagen und auch wenn man dem Genre nicht immer zugetan war, so kam man doch nicht umher, dem einen oder anderen Songs seine Darseinsberechtigung nicht absprechen zu können.

Und heute? Heute ist der Hip Hop meistens aggressiv, ausfallend und manchmal sogar niveaulos. Der Metal wird immer härter und manche Rocksongs haben anstatt einer Message nur ordentlich Lärm und Krawall – sind aber dennoch melodisch genug, um nicht als Metal durchzugehen. Und der Punk? Ja, der Punk ist halt einfach die Krawallmusik, zu der sich abgerissene Gestalten mit buntgefärbten Haaren wild hin und her schmeißen und das dann Popo tanzen nennen. Ein Hoch auch die Klischees!

Hoch die Flaschen, es geht los!

Aber auch die Punkmusik klang mal anders. Melodischer. Laut, wild, verrückt – aber melodisch. Texte hatten Aussagen und waren nicht selten politisch. Und heute? Laut und wild ist es immer noch. Aber die Melodien bleiben oft aus. Genug auf die heutige Musik geschimpft, denn so schlimm ist es natürlich eigentlich gar nicht – aber die Einleitung passt einfach so schön zur neuen Scheibe von den Dorks. Die Dorks gehören nämlich zu den neueren Punkbands, die aber aus der Masse heraus stechen. Nicht nur, dass der Frontmann gar kein Mann ist, sondern eine Frau. Sie haben sogar Melodien im Gepäck und können ruhigere Töne anschlagen, die dennoch locker als Punkmusik durchgehen.

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Dies zeigen sie auf ihrem neuen Album „Urlaub in der BRD“ gekonnt. Bereits das Intro – die armselige Begrüßungsmusik – deutet an, dass es hier etwas anders zugeht als bei anderen deutschen Punkrockbands. Da kommt man glatt wirklich ins Urlaubsfeeling und das wird mit dem ersten richtigen Song „Urlaub in der BRD“ nochmal unterstrichen. „Öffnen Sie sich ein Bier und genießen Sie die erlebnisreiche Fahrt durch die Bananenrepublik“ – och, das macht man bei dem Sound doch gerne. Man kann eigentlich gar nicht anders, als sich entweder zurückzulehnen und den Texten fortan zu lauschen oder aber aus dem Stuhl hochzuspringen und durch die Wohnung zu pogen. Eine kleine Verschnaufpause gibt es erst mit Song Nummer 13 namens „Ich bleib heut‘ Nacht hier steh’n“.

Punk’s not dead – ach nee … sagen wir doch!

Bis zu diesem Punkt bekommen wir ein Brett nach dem anderen aufgetischt. Dabei lohnt es sich nicht nur auf die Texte zu achten, sondern auch der Stimme der Frontfrau Lizal zu lauschen. Selten hört man eine Punkband, die so harten Sound macht und dabei eine weibliche Stimme zum Einsatz kommen lässt. Und was dann auch noch richtig gut klingt! Lizal kann nämlich nicht einfach nur in Punkrockmanier ins Mikro brüllen, sie kann tatsächlich echt gut singen! Wer also dem Punkrock der alten Schule zugetan ist, sollte sich die Dorks mit „Urlaub in der BRD“ nicht entgehen lassen.

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Die Dorks - Urlaub in der BRD

Die Dorks - Urlaub in der BRD
8.7

Power

8.7/10

Abwechslung

8.6/10

Texte

8.8/10

Pros

  • Frauenpower!
  • Punkrock der alten Schule
  • Gute Texte

Cons

  • Ein oder zwei weitere ruhigere Nummern hätten noch mehr Abwechslung gebracht

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