El Postre – Schweres Gerät

Geht nicht gibt’s nicht! Das wurde in den letzten Jahrzehnten in Sachen Musik immer häufiger bewiesen. Da werden Genres miteinander vermischt, die scheinbar gar nichts miteinander gemein haben. Obwohl das nun nichts Neues ist, ist es immer noch etwas gewöhnungsbedürftig und nicht für alle Ohren eine Freude. Eine Band, die ebenfalls zwei Genre miteinander vermischt, ist El Postre. Metal und Rap – kann gut gehen, hat die Vergangenheit gezeigt. Aber auch auf deutsch? Und auch in diesem Fall?

Those were the days…

El Postre kommen mit einem Crossover daher, das an die 90er Jahre erinnert. An Zeiten, als Limk Biskit und – um ein deutsches Beispiel zu nennen – die Guano Apes in den Charts vertreten waren. Metal ist dabei vielleicht nicht ganz die richtige Bezeichnung, denn da würde so mancher Metal-Fan sagen „das ist doch viel zu soft!“. Nennen wir es also harten Rock. Mit Raps (die Mehrzahl vom englisch ausgesprochenen Rap, nicht das, was es auch als Öl gibt). Und das ist früher mal durchaus gut angekommen. Wer also den 90ern mit H-Blockx und Co. noch etwas hinterher trauert, der ist mit El Postre auf dem richtigen Weg.

Saufen, schuften, fressen…

Allerdings – da kommt nun der Haken – sind die Texte nicht jedermanns Sache. Die Herren aus dem Ruhrpott widmet sich der harten Arbeit, mit Schweiß, Ärger und Frust. Malocher halt. Sie geben ein etwas überzeichnetes Bild des schwerarbeitenden Ruhrpottlers ab, der trinkt, frisst und eben arbeitet. Ein bisschen so, wie sogenannte Reality Dokus auf deutschen Privatsendern es den Zuschauern gerne vorgaukeln möchten. Somit ist (hoffentlich) eine ordentlich Portion Ironie in den Texten zu finden.

An mancher Stelle wirken die Texte dabei aber etwas laienhaft, an anderer Stelle hingegen zeigen El Postre, dass sie durchaus auch in der Lage sind, gute Lyrics zu verfassen. Auch wenn es sich bei „Schweres Gerät“ nicht direkt um ein Konzeptalbum handelt, so wird die Thematik über die Dauer des Albums doch etwas langatmig.

Fetter Sound

Man muss die Texte nun aber eh nicht unbedingt alle großartig finden, um auf die Musik abgehen zu können. Und das ist durchaus möglich. Der Metal – pardon Hardrock – Part im instrumentalen Bereich ist nämlich durchaus gelungen. Da darf man auch mal headbangen! Einige Titel kommen sogar etwas pop-rockig daher wie zum Beispiel der Song „Freizeit“, der ein wenig Sommerstimmung vermittelt. Das meiste jedoch ist eher für diejenigen gemacht, die auf Hip Hop stehen und sich nicht an der einen oder anderen Wortwahl stören, die etwas unter die Gürtellinie geht. Von Gangsterrap wollen wir zwar nicht sprechen, aber einen Vergleich zu den 90ern in Sachen Hip Hop, als 5 Sterne Deluxe oder die Absoluten Beginner die Hallen gefüllt haben, kann man hier keinesfalls ziehen. Aber damit wären wir dann ohnehin wieder bei den Texten …

Insgesamt gehen El Postre einen Weg, der nicht dem Mainstream entspricht. Das ist natürlich gut! Crossover-Fans gibt es da draußen noch genug, Kinder der 90er, die diese Rap-Rock-Mischung vermissen, ebenso. Wenn jetzt noch für das nächste Album an den Texten gefeilt werden würde, wären wir hellauf begeistert!

El Postre - Schweres Gerät

El Postre - Schweres Gerät
6.5

Texte

4.7 /10

Abwechslung

5.9 /10

Sound

8.8 /10

Pros

  • Crossover wie früher
  • Instrumental erstklassig

Cons

  • Textlich nicht immer einwandfrei
  • Thema etwas zu sehr ausgereizt

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