Frauen, Fische, Fjorde

Manchmal hat man das Gefühl, dass über die deutsche Geschichte in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg und der darauf folgenden Nachkriegszeit schon alles berichtet worden ist. Sowohl in Dokumentationen und Filmen als auch in Büchern. Geschichtsinteressierte erfreut sicherlich die Vielzahl an Publikationen zum Thema, doch neue Informationen werden selten dabei vermittelt.

Allerdings beziehen sich diese Veröffentlichung in der Regel auf die Situation der deutschen Zivilbevölkerung, auf die Brutalität der Deutschen unter Hitler und auf den Aufbau des Landes nach dem Krieg. Einzelne Schicksale werden eher selten beleuchtet. Anders bei dem Buch „Frauen, Fische, Fjorde“ von Anne Siegel.

Die unbekanntere Geschichte der Nachkriegszeit

Einen eher unbekannten Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte bilden nämlich die Frauen, die Deutschland verlassen und nach Island gegangen sind. Dort nämlich herrschte ein akuter Frauenmangel, während es hierzulande genau anders herum der Fall war. Anne Siegel hat sich auf den Weg in das meist doch sehr kalte Land im Norden gemacht und sich mit Frauen unterhalten, die damals nach dem Krieg diesen außergewöhnlichen Schritt in die Ferne gegangen sind.

Dies ist im Übrigen ein wichtiger Fakt, ehe man sich an das Lesen des Buches macht. Wer sich nur vom Titel und dem Untertitel „Deutsche Einwanderinnen in Island“ leiten lässt, könnte enttäuscht werden, falls er auf der Suche nach einer literarischen Version von „Goodbye Deutschland“ ist. Hier geht es nicht um Frauen, die gerade erst die erste Schritte in Island machen, sondern bereits über die Hälfte ihres Lebens in dem Land verbracht haben.

Lesenswertes Zeitdokument

Die Frauen berichten auch nicht explizit von dem Leben in Island, sondern erzählen ihre Lebensgeschichte beginnend vor der Auswanderung. Wie haben sie den Krieg erlebt? Wie ist es zu dem Entschluss gekommen, nach Island zu gehen? Und wie sind sie dort aufgenommen worden? Jede Frau hat ihre eigene Geschichte, von denen jede einzelne lesenswert ist.

Anne Siegel lässt dabei einerseits die Frauen selbst zu Wort kommen, hat aber zum größten Teil die geführten Gespräche selbst zusammengefasst. Das hat sie in einem gelungenen, wenn auch nicht immer allzu professionell anmutenden Schreibstil getan, sodass sich „Frauen, Fische, Fjorde“ problemlos in kurzer Zeit am Stück lesen lässt. Ein paar wenige Fotos aus dem Privatbesitz der mittlerweile älteren Damen haben es ebenfalls ins Buch geschafft, sodass man zu den Geschichten auch noch ein reales Bild hat. Wer sich für die etwas unbekanntere Historie und Einzelschicksale damals teilweise sehr junger Frauen interessiert, sollte unbedingt zu dieser Lektüre greifen!

Frauen, Fische, Fjorde

Frauen, Fische, Fjorde
8.5

Informationsgehalt

9.0/10

Schreibstil

7.9/10

Pros

  • Tolle Einblicke in das Leben starker Frauen
  • Gut zu lesen

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