Gefallener Mond

Kann man sich etwas schlimmeres vorstellen als eine Kindesentführung? Nicht zu wissen, wo das Kind ist, wie es ihm geht und ob man es jemals wieder in die Arme schließen kann. Über so etwas wollen Eltern einfach nicht nachdenken. Und dennoch kann es passieren, selbst wenn man dem Kind noch so oft einbläut, dass es nicht mit Fremden mitgehen darf und keine Umwege auf dem Nachhauseweg machen soll. Um genau dieses sensible Thema der Kindesentführung geht es in dem Kriminalroman „Gefallener Mond“ von Ruth Schneeberger.

Der Name Ruth Schneeberger ist ein solcher, den Literaturfreunde bisher noch nicht kennen werden. Sportfans hingegen schon eher, denn immerhin war sie einst österreichische Staatsmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik und hat sich später dem Halbmarathon verschrieben. Aber Sport schließt Kultur natürlich nicht aus und so hat Ruth Schneeberger nun den Weg der Autorin eingeschlagen und mit „Gefallener Mond“ ihr erste Buch veröffentlicht. Erstlingswerke gehen häufig etwas unter oder verfügen zwar über Potenzial, nicht aber über die entsprechende Qualität, um ein Bestseller werden zu können. Dies in diesem Fall – soviel sei schon mal vorweg verraten – anders.

Ein brisantes, nahegehendes Thema

Zwei Personen stehen in diesem Roman – den man auch gerne als Thriller bezeichnen kann – im Vordergrund: die Ermittlerin Anna und das kleine Mädchen Lena. Anna Walter hat bereits viele Erfahrung im Umgang mit Kindern, denen schlimme Dinge passiert sind. Doch der Fall von Lena stellt auch sie vor eine große Herausforderung. Fragen kommen auf, die so leicht nicht zu beantworten sind, Verdächtige treten in Erscheinung, die eine ganz große Nummer sind. Und die kleine Lena? Die ist vollkommen traumatisiert, nachdem sie zwanzig Stunden verschwunden war. Zurückgekehrt ist sie ohne ihre langen Haare und ohne ihre Sprache. Denn Lena will nicht mehr sprechen. Alles, was sie noch tut, ist das Zeichnen von blauen Fischen. Warum bloß?

Voller Spannung und Emotionen

Der Debütroman von Ruth Schneeberger hätte besser kaum sein können. Nicht nur, dass der Schreibstil flüssig zu lesen ist, sie hat es außerdem geschafft, die Story so spannend und emotional zu verpacken, dass man sich kaum mehr davon los reißen kann. Von der ersten Seite ist der Leser bereits gefesselt und fühlt mit – mit Anna und vor allem mit Lena. Er rätselt, denkt, fürchtet und hofft. Die Geschichte ist dabei sehr gut durchdacht und – ohne etwas vorweg nehmen zu wollen – gibt es hie und da eine Wendung, die der Leser nicht vorausgeahnt hat und somit immer wieder auf’s Neue überrascht wird.

Ruth Schneeberger punktet also mit einem gewaltigen Inhalt, aber auch mit ihrem erfrischenden Schreibstil, der dem Leser bildhaft die Szenarios vor Augen führt, dabei aber nicht so ausschweifend ist, dass man Seiten überblättern möchte. Viele Dialoge lockern den Lesefluss zusätzlich auf. Alles in Allem ist dies ein Debüt, das bemerkenswert ist. Es scheint fast so, als hätte Ruth Schneeberger nach dem Sport ein neues Standbein gefunden, in dem sie ebenso meisterlich ist wie in der sportlichen Betätigung!

Gefallener Mond

Gefallener Mond
9.3

Schreibstil

9.0 /10

Story

9.5 /10

Spannung

9.4 /10

Pros

  • Spannend von Anfang bis Ende
  • Ein großartiges Debüt!
  • Brisantes Thema, das Emotionen weckt und den Leser mitfühlen lässt

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