Grimm: Dark Legacy (PC)

Irgendwie komme ich mir vor, als würde ich in letzter Zeit seltsam viele Spiele auf Märchenbasis spielen… Ich kann’s verstehen, denn durch die schiere Anzahl an exsistierenden Märchen ist genug Material für mehrere Videospiele gegeben. Auch in Grimm: Dark Legacy werdet ihr offensichtlich mit Märchenfiguren in Kontakt geraten. Aber statt goldene Bälle für sie zu findenoder Flüche zu brechen macht ihr diesmal Jagd auf die Kreaturen. Klingt gut? Dann lest mal weiter.

Setting

Das Spiel eröffnet mit zwei „modernen“ Polizisten, die zur Zeit ein Problem mit blutrünstigen Märchenkreaturen am Hals haben, „Wesen“ genannt. Sie stehen vor einem Rätsel, denn solche Probleme gab es seit Jahrhunderten nicht mehr. Da ist es ganz praktisch, dass sie das Tagebuch eines Wesenjägers aus genau dieser Zeit findet. Ihr befindet euch im frühen Mittlelalter, und ihr merkt, dass die Wesen in letzter Zeit seltsam aggressiv werden. Dem wollt ihr auf die Spur gehen und reist dafür zu Fuß quer durch Europa. Um aber ans Ziel zu gelangen, müsst ihr in der Wildniss überleben können. Lernt zu jagen, zu sammeln und zu bauen, denn wenn ihr sterbt, geht es wieder zurück auf Anfang.

Gameplay

Grimm: Dark Legacy ist ein Hack-and-Slash-RPG mit Survivalelementen. Ähnlich wie in Warcraft oder Diablo kontrolliert ihr euch selbst aus der Vogelperspektive und stapft munter durch die Welt, auf der Suche nach irgendwas, dass ihr töten könnt. Anders als in Diablo habt ihr hier aber keine offene Welt, sondern Kapitel, in denen ihr einzelne Missionen erfüllen könnt. Die Missionen sind in der Regel sowas wie „Sammel Fleisch und Beeren“, „Töte XY“ oder „Rede mit XY“. Um die ganze Sache etwas interessanter zu machen, müsst ihr während der Missionen aber nicht nur auf eure Gesundheit, sondern auch auf eine Hungeranzeige achten, die es stetig aufzufüllen gilt. Seid ihr nicht satt, könnt ihr keine Gesundheit wiederherstellen und verliert ihr all eure Gesundheit, ist das Spiel endgültig vorbei. Euer Charakter stirbt und es geht auf Start zurück. Also müsst ihr stetig jagen, Ressourcen sammeln und bessere Ausrüstung bauen, damit ihr die Missionen überstehen könnt.

Wie ihr vielleicht schon merkt liegt bei Grimm: Dark Legacy also ein großer Fokus auf dem Jagen und „Häuten“, quasi Looten von Tieren. Damit ihr bestimmte Tiere jagen könnt, hinterlässt jede Tierart sogar eine eigene Spur, der ihr zum Tier folgen könnt. Logisch, denn ein Bär hinterlässt ja andere Spuren als ein Reh. Dadurch ist die Anzahl an Tieren und das Finden der Tierarten und Fabelwesen (Die gibt es nämlich auch noch!) eigentlich auch das Interessanteste an Grimm: Dark Legacy. Geht es dann in den tatsächlichen Kampf mit den Tieren, sinkt die Begeisterung schon etwas, denn die Kämpfe sind ziemlich langweilig. Sobald ihr den Bogen habt, ist es eigentlich stets der selbe Ablauf. Ihr schießt einen Pfeil auf den Gegner, er kommt zu euch, ihr hebt euren Schild, blockt den Gegnerangriff, schlagt zu, blockt wieder und macht das so lange, bis der Gegner entweder wegrennt oder erlegt ist. Da ist es sehr freundlich, dass Bären, Wölfe, Rehe oder was weiß ich sonst noch immer im selben Takt angreifen, denn euer eigener Charakter braucht etwa 2 Sekunden bis er den Schild angehoben hat. Liegt der Gegner dann flach, könnt ihr ihn häuten, um an Knochen, Fleisch und ähnliches zu kommen. Bei Bären und Wölfen kann ich das noch nachvollziehen. Etwas unangenehm wird es dann, wenn man (halb-)menschliche Gegner wie den Rattenfänger von Hameln trifft, den man mit seiner Holzkeule niederschlägt und dann häutet, damit man sein Fleisch kriegt. Aber hey, es sind ja „Wesen“, dann ist ja nix dabei, oder?

Hier kommen wir nochmal auf das Missionskonzept zurück, denn das Abarbeiten von seperaten Missionskarten verträgt sich so garnicht mit dem recht abenteuerlichen Konzept des Spiels. Ich will Tiere aufspüren und eine große, offene Welt erkunden! Stattdessen arbeitet man zwangsweise auf leeren, quadratischen Karten seine Missionsziele ab und kehrt dann zur Missionsauszahl zurück. Das wäre noch okay, wenn die Missionen selber spannend wären, stattdessen bekommt man RPG-Klischees geliefert. Zahllose Sammelquests, Quests in denen man eine bestimmte Mobzahl töten muss, Maps, in denen man irgendwelche Bauern beschützen muss. Manche Quests verlangen von einem, dass man eine Person ausfindig macht und mit ihr redet. Das heißt aber nicht etwa, dass irgendwo eine Hütte ist, in der ein alter Freund auf euch wartet, nein! Das heißt, dass irgendwo auf der Karte zufällig eine Person gespawnt wurde, die regungslos, vermutlich für Stunden auf irgendeiner Wiese steht und auf euch wartet. Da hilft es auch nicht, dass es keine Zielmarker oder irgendwas gibt. Im schlimmsten Fall sucht ihr 20 Minuten lang eine riesige, quadratische Karte ab, in der Hoffnung dass ihr zufällig auf den Platz stoßt an euer Freund seit Tagen steht und hungert. Doch ihr findet ihn. Endlich findet ihr ihn. Ihr lauft auf ihn zu. „Drücke E um zu reden!“ steht da über ihm. Endlich. Ihr macht euch auf einen wichtigen Dialog bereit, der eure Reise bereichert, der all eure Fragen beantwortet! Ihr drückt E, und ZACK die Mission ist erfüllt, du kannst jetzt die Karte verlassen. Kein Dialog, kein Nichts. Die Aufgabe war wirklich nur, diesen Kerl zu finden und einmal mit ihm zu interagieren.
Dabei ist Grimm: Dark Legacy so vielversprechend. Erst recht, weil man auch mit seinen Freunden Online spielen kann, Co-Op! Wenn Grimm: Dark Legacy ein Open-World-Hack and Slash wäre, indem es darum geht, mit einem Freund im Schlepptau legendäre Bestien auszumachen, sie zu jagen und so lange es geht in dieser wilden, großen Welt zu überleben, könnte ich mir kaum etwas Besseres vorstellen. Es scheitert auch nicht am Content des Spiels, denn es gibt genug freischaltbare Missionen und Welten zur Auswahl sowie eine Unmenge an In-Game-Geschichte. Aber das, was bis jetzt da ist, macht einfach keinen Spaß und fühlt sich furchtbar unfertig an. Auch im Co-Op.

Grafik und Sound

Auch hier hat Grimm: Dark Legacy unglaublich Potenzial. Durch den Cellshading-Cartoonlook wirkt die Welt schön bunt, aber Details wie Blutspuren und die Monsterdesigns ergänzen das um eine erwachsenere Komponente. Die Menüführung ist gut, die Musik ist ziemlich episch und macht Lust auf’s Spiel. Es scheitert wirklich nur beim Gameplay.

Fazit
Das drumherum stimmt, nur im Kern hapert es gewaltig. Repetitives und mühsames Gameplay, kein merklicher Fortschritt und ein sehr ungünstiges Missionslayout. Dafür sieht’s aber schön aus.

Grimm: Dark Legacy (PC)

Grimm: Dark Legacy (PC)
5.1

Setting

5.0 /10

Gameplay

3.4 /10

Grafik und Sound

7.0 /10

Pros

  • Schöne Optik
  • Spiele alleine oder mit Freunden!

Cons

  • Langweilige Kampfmechanik
  • Sinnlose und wiederholende Missionen
  • Keine Charakterbearbeitung

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