Interview mit Was wenns regnet

Anfang November haben wir euch das neue Album von Was wenns regnet vorgestellt. Dieses hat uns so gut gefallen, dass wir die Jungs zum Interview gebeten haben – welches wir euch natürlich nicht vorenthalten möchten!

 

Hallo und vielen Dank für die Zeit, die ihr euch für das Interview nehmt. Sicher seid ihr das schon häufig gefragt worden – wir wollen es trotzdem wissen! Wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen, der ist ja nicht ganz alltäglich?

Jeder kennt den Ausspruch vom „Regen in die Traufe“, meistens kommt es also noch schlimmer als man denkt. Genau das haben wir als Einzelpersonen, aber auch als Band in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt. Der Trick dabei ist aber: Immer wieder aufstehen oder eben auch draußen grillen, wenn’s Kuhscheiße regnet. Bei uns am Niederrhein regnet’s oft. Man kann das also als Synonym dafür nehmen aus jeder Situation trotz allem das Beste zu machen und nicht immer nur rumzuheulen.

 

Ebenfalls nicht alltäglich ist der Name eures Albums „Sprachmemomusik“. Erzählt doch mal, was sich unsere Leser darunter genau vorstellen können.

„Sprachmemomusik“ lehnt sich an die Art an, wie unsere Songs für dieses Album entstanden sind. Wir haben Ideen, Textschnipsel, Melodien, einfach alles… mit der Sprachmemofunktion eines iPhones aufgenommen und uns die Dinger dann per WhatsApp zugeschickt. Also genau so, wie man es heutzutage erwarten würde 🙂

Selbst beim Songwriting kommt man von den Dingern nicht los. Mittlerweile hat das Ganze ja eher bedenkliche Züge angenommen, den eher niedlichen Albumtitel hatten wir aber schon lange im Kopf, er ist also nicht als Digitalkritik oder ähnliches zu verstehen.

Denn Kritik hin und her, es hat uns das gemeinsame Arbeiten an Songs trotz Schichtdienst oder Krankenhausaufenthalten ermöglicht.

 

Ihr greift in euren Songs die unterschiedlichsten Themen auf, die das Leben schreibt. Stecken eure eigenen Erfahrungen in den Texten?

Wenn man für sich oder seine Band Songs schreibt, sind die geschriebenen Zeilen wohl in sehr vielen Fällen eigene Erfahrungen. Denn davon hat man einfach die meisten…

Aber wie beim ersten Album haben wir uns auch intensiv mit den Gefühlen und dem Erlebten von anderen Menschen auseinandergesetzt. Meist sind aber auch das reale Geschichten aus dem Umfeld oder solche, die man mal irgendwo aufgeschnappt hat.

 

Kiki, du machst keinen Hehl daraus, dass du eine wirklich schwere Zeit inklusive Krankenhausaufenthalt hinter dir hast. Wie sehr hat eure Musik das geprägt?

Die Musik hat das als Solches gar nicht geprägt oder verändert, denn ich war ja nicht im Krankenhaus auf Grund einer Stimmband-OP oder anderer Reparaturen an meinem Körper. Rein technisch gesehen hat sich also nichts verändert.

Verändert hat sich aber unsere Art mit uns gemeinsam als Menschen umzugehen und auch der Blick, den man nach so einem einschneidenden Erlebnis auf sein Leben hat.

Ich war in einer psychiatrischen Klinik und mein Aufenthalt dort hat eben auch den anderen gezeigt, dass es manchmal andere Prioritäten gibt. Auf dem neuen Album hört man das unter anderem auch textlich. Wir haben uns alle viel mit dem Thema Krankheit, Neuanfang, aber auch Verzeihen und wieder zueinanderfinden auseinandergesetzt.

Verändert hat sich ebenso unsere Art mit den Songs umzugehen. Für uns selbst. Früher war das vor allem für mich in vielen Fällen einfach eine Aneinanderreihung von Worten. Heute könnt‘ ich bei manchen Textzeilen heulen oder lachen. Das war früher ganz anders, viel distanzierter.

 

Habt ihr ein musikalisches Vorbild oder mögt ihr es gar nicht, wenn man euch mit anderen Bands oder Künstlern vergleicht?

Nö wir sind nicht böse, wenn uns jemand mit einer anderen Band vergleicht. Irgendwie passiert das ja automatisch und es ist auch ganz normal, dass versucht wird die Musik einzusortieren, selbst die Kategorie „Rock“ ist im Grunde ja nichts anderes als ein Vergleich mit anderen Bands aus dem gleichen Genre. Also darf man auch uns gerne in jede Schublade stecken.

Musikalische Vorbilder haben wir alle viele, es wäre also irgendwie fehl am Platz jetzt hier nur einen oder eine Band zu nennen, denn das wäre der Masse an Einflüssen kaum gerecht.

 
Gibt es einen Song auf dem Album, der euch besonders am Herzen liegt und zu dem es eine Geschichte gibt, die ihr uns verraten möchtet?

Generell liegen uns alle unsere Songs am Herzen. Es ist immer schwer einen Song herauszuheben, denn wir haben sie ja alle selbst gemacht. Und im Laufe der Zeit verschiebt sich auch das „Mögen“ bei jedem von uns. Die Antwort müsste also entweder jeder für sich geben oder wir müssten uns auf einen Konsens einigen, das aber kann bei uns dauern.

Geschichten haben unsere Songs auch alle, aber viele von ihnen sind ja auch bildlich zu verstehen oder beschreiben Gefühle und Gedanken. So richtig real sind aber tatsächlich Kurt & Sylvia, deren Geschichte so auch im Text zu finden ist.

Natürlich haben wir ein paar Kleinigkeiten angepasst, aber die beiden besungenen Personen leben wirklich und heißen auch so. Entstanden ist der Song weil wir die Geschichte gehört haben und irgendwie so toll fanden, dass der Text dazu von ganz alleine kam. Kurts Einstellung zu anderen Menschen und dem Leben im Allgemeinen entspricht so ein bisschen auch dem was wir zum Teil heute fühlen.

Pathetisch gesagt wird unsere Welt nur dann ein besserer Ort, wenn jeder von uns seinen Teil dazu beiträgt. Kurt macht das und noch viel mehr. So viel zur Geschichte EINES Songs. Schaut euch unser Cover an, da gibt es neben der Geschichte, die der Song erzählt auch immer noch ne tolle Geschichte als Illustration…

 

Welches war das schönste Konzertereignis, das ihr jemals hattet?

Ich glaube ich spreche für die ganze Band, wenn ich da unser „Comeback“-Konzert auf dem letzten Moerser Freefall Festival im Jahre 2015 nenne. Comeback hört sich an, als wenn wir uns auf’s Altenteil gesetzt hätten, weil wir zuvor Millionen gescheffelt haben. Aber nein, tatsächlich haben wir auf Grund meiner Krankheit eine Pause von fast 2 Jahren eingelegt und alle Konzerte und alles abgesagt. Das tat ganz schön weh, denn ich hatte mich darauf gefreut.

So war das Freefall dann irgendwie so’n Phönix aus der Asche-Ding und somit auch ein Comeback – auch wenn ich durch ein Malheur kurzfristig einen Stromausfall verursacht habe 🙂

 
Und welches würdet ihr lieber aus eurer Erinnerung streichen?

Oh, da gibt so einige…

Richtig krass war mal ein Konzert in Süddeutschland vor mehr als 10 Jahren. Wir sind mit einem klapprigen Miettransporter bis ins Schwabenländle gebrettert. Irgendwie zu einer selbstgezimmerten Bühne am Waldrand mitten in der Einöde. Es gab nur Mauldasch…und irgendwie 20 Bands die für 40 Durchgeballerte gespielt haben. Da die Band vor uns erst um 1 Uhr nachts begann und sich vorher Pilze reingezogen hatte, artete ihr Auftritt aus in eine mehrstündige Session. Ich mein, wir waren noch nie Arschlöcher und haben jemanden von der Bühne geholt, also haben wir artig gewartet bis die Jungs dann gegen 3 Uhr fertig waren und sind dann auf die Bühne. Es war saukalt, hat geregnet und kaum jemand war noch da und wir sind knapp 700 km gefahren, um dann dort am Waldrand mit alle Mann zu zelten.

Ich habe mit Bobo damals zusammengekauert auf der Ladefläche des LKW gepennt, weil ja unser Equipment da drin war. Zu zweit konnte man aber nur im Sitzen pennen, das war echt der Horror. Aber ich glaub solche Geschichten kann euch jede Band zu tausenden erzählen.

 
Ihr kommt aus dem Westen Deutschlands. Wenn man eure Termine so anschaut, seid ihr hauptsächlich in NRW unterwegs. Wann sind denn mal Auftritte im Rest der Republik und vielleicht sogar bei uns in Österreich geplant?

So akut geplant ist da aktuell nichts. Wir werden wohl in der Festivalzeit unterwegs sein, aber letztlich müssen wir mal schauen was das kommende Jahr so bringt. Wir können alle nicht von der Musik leben und zahlen in vielen Fällen auch den Sprit zu Konzerten selbst. In Teilen Deutschlands in denen man uns nicht so kennt, wird es daher schwer, Läden alleine zu füllen und somit kostendeckend ein Konzert zu spielen. Die lange Pause, in der wir mehr als 40 Konzerte absagen mussten, macht es da nicht einfacher, denn es ist meist nicht möglich, diese Gigs nachzuholen.

Wir setzen unseren Fokus daher erst mal darauf, dass wir außerhalb NRWs oder auch zum Beispiel Österreich „aktiv“ von jemandem gebucht werden. Für Festivals oder Konzerte mit anderen Bands. Denn wenn dich jemand bucht, kannste zwar immer noch nen Griff ins Klo haben und trotzdem wird das Konzert mies und nicht gut besucht. In den allermeisten Fällen heißt das aber, dass Interesse an uns als Band und an unserer Musik vorhanden ist.

Es wird sich also zeigen wann wir mal in eurer Ecke sind. Macht n Festival und ladet uns ein 🙂

 

Apropos Österreich: Welche drei Dinge fallen euch beim Begriff „Österreich“ als erstes ein?

Mozart/Schnitzel/Falco

 

Vielen Dank für das Interview, möchtet ihr noch etwas los werden?

Seid nett zueinander!

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