Kontrollverlust

Bücher über aktuelle politische Situationen sind immer so eine Sache. Heikel das Ganze. Denn Politik ist ein Thema, bei dem viele automatisch aneinander geraten. Und so ist es auch nur normal, dass ein Werk wie „Kontrollverlust“ für völlig unterschiedliche Kritiken sorgt. Wir versuchen also, so objektiv wie möglich, ohne eigene politische Meinung an diese Rezension zu gehen.

Ein tiefer Einblick oder doch nur Panikmache?

Zunächst zu den Fakten: „Kontrollverlust – Wer uns bedroht und wie wir uns schützen“ stammt von Thorsten Schulte und ist im Kopp Verlag erschienen. Dieses Buch ist „hochpolitisch“, so ist es auf der Rückseite des Covers zu lesen. Es benennt außerdem „äußerst bedenkliche Fehlentwicklungen klar und deutlich“ und „Thorsten Schulte läutet die Alarmglocken“. Des Weiteren ist Angela Merkel auf dem Cover zu sehen – man ahnt es also schon: Thorsten Schulte ist nicht zufrieden mit der momentanen Regierung und ebenso wenig mit der Europäischen Union. Um dies noch mehr zu verdeutlichen, sind auch gleich ein paar Flüchtlinge mit auf dem Cover abgedruckt.

Thorsten Schulte spricht in seinem Buch viele unterschiedliche Themen der Politik an, als Investment-Banker ist für ihn aber natürlich auch das Thema Finanzen äußerst wichtig. Sicherlich hat er in diesem Bereich einiges an Erfahrung und sicherlich hat er sich auch mit den anderen im Buch angesprochenen Themen beschäftigt. Allerdings – und nun kommt der Haken – der Schreibstil ist so reißerisch wie der der Bild-Zeitung, auf die er gerne mal verweist. Fakten und Daten gibt es durchaus, ebenso aber auch haltlose Thesen und Behauptungen. Und natürlich kann man Fakten mit ein bisschen Bla Bla auch in eine für die eigene Meinung passende Richtung drehen.

Wenn er doch bloss besser schreiben würde…

Man muss durchaus sagen, einige Dinge, die in „Kontrollverlust“ zu lesen sind, entsprechen der Wahrheit oder sprechen aus, was viele denken und sich nur am Stammtisch wagen zu sagen. Doch leider macht sich der Autor an vielen Stelle sehr unsympathisch und auch unglaubhaft. Dann zum Beispiel, wenn er für Waffen für alle plädiert, damit das Volk sich besser schützen kann. Klar, wer träumt nicht von US-ähnlichen Verhältnissen…

„Kontrollverlust“ ist also ein skeptisch zu betrachtendes Buch, dass für rational denkende Menschen offensichtliche Verschwörungstheorien enthält, manche Dinge, über die man aber normalerweise nicht spricht, doch gut auf den Punkt bringt. Das größte Problem ist jedoch der Schreibstil, der nicht nur unsympathisch wirkt, sondern auch unseriös, wodurch das Werk schnell in die Ecke „Verschwörungskram“ gestellt wird – wenngleich das „nur“ auf gut die Hälfte des Inhalts zutreffen mag.

Kontrollverlust

Kontrollverlust
5.7

Informationsgehalt

6.4 /10

Schreibstil

5.0 /10

Pros

  • Einige interessante Fakten
  • Regt teilweise zum Nachdenken an
  • Bringt brisante Themen zur Sprache

Cons

  • Vieles klingt nach Verschwörungen
  • Reißerischer Schreibstil
  • Ruf nach Waffen für alle

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