Mein Leben als Zucchini (Blu-Ray)

Kinderfilme, die keine Realverfilmungen sind, zu bewerten, ist ja nicht schwer. Schön gezeichnet? Nette Story? Und schon kann es an die Bewertung gehen. So denkt man. Nicht aber, wenn es sich um einen Film wie „Mein Leben als Zucchini“ handelt, das mal so ganz aus dem üblichen bunten Rahmen der Kinderfilme heraus fällt. Im Grunde müsste es für diesen in Stop Motion Technik gedrehten Film sogar zwei Bewertungen geben, einmal eben als Kinderfilm und einmal als Oscaranwärter im Bereich Animationsfilme, wobei dann das Augenmerk eher auf ein erwachsenen Publikum gerichtet wäre.

Aus der Pflaume wird eine Zucchini

Aber fangen wir erstmal damit an, worum es hier eigentlich geht. Der französisch-schweizerische Film basiert auf einem Roman, genauer gesagt auf „Autobiografie einer Pflaume“ von Gilles Paris. Icare, der von seiner Mutter immer Zucchini genannt wurde (im Buch übrigens Pflaume) ist ein neunjähriger Junge, der schon die Schattenseite des Lebens gesehen hat. Sein Vater ist weg, seine Mutter tot – daran trägt Zucchini nicht unwesentlich schuld. So kommt es, dass der Junge sich erst auf einer Polizeistation einem netten Polizisten gegenüber sieht und dann ins Kinderheim gebracht wird.

Dort trifft er auf viele Kinder, die ebenfalls schlimme Schicksalsschläge hinter sich haben. Gewalt, Abschiebung, Tod. Entsprechend rau ist der Ton unter den jungen Menschen, doch sollten die Kinder nicht eigentlich zusammenhalten? Als dann Camille zu der Gruppe hinzustößt, verliebt sich Zucchini ein bisschen. Doch Camilles fiese Tante möchte das Mädchen zu sich holen – das gibt schließlich Pflegegeld.

Harter Tobak für die Kleinen

Man merkt schon: hier ist eben nicht alles bunt und fröhlich. Auch wenn die Kinder mit ihren quitschbunten Haaren, den großen Augen und den etwas unförmigen Gesichtern etwas farbenfroh aussehen, so ist die Geschichte doch sehr düster. Das liegt natürlich auch an der Romanvorlage, wenngleich in dieser noch ein bisschen Humor mit eingebaut worden ist, was im Film fast gänzlich fehlt.

Betrachten wir „Mein Leben als Zucchini“ also zunächst als Kinderfilm und aus Elternsicht. Die Deutsche Film- und Medienbewertung hat den Film mit „besonders wertvoll“ eingestuft und er wurde als FSK 0 eingestuft (wenngleich in Österreich das empfohlene Mindestalter an den Kinokassen bei 8 Jahren lag). Da sag ich als Mutter: völlig Fehleinschätzung. Für Kinder unter 12 Jahren würde ich den Film keinesfalls empfehlen. Es wird zwar nie vulgär (mal abgesehen davon, dass es einen kleinen Ausflug in den Bereich Aufklärung gibt) und Gewaltszenen sind nicht vorhanden, aber die Thematik ist für junge Kinder einfach unangemessen. Hätte man diesen Film mit realen Schauspielern gedreht, wäre er wohl eher bei FSK 12 gelandet.

Natürlich gibt es in der Welt – und leider auch in unserem Land – Kinder, die schon in jungen Jahren schreckliches durchmachen müssen, aber müssen die Kinder, die eine unbeschwerte Kindheit genießen können, schon so früh darauf gestoßen werden? Nein. Dementsprechend ist die Thematik für kleine Kinder unpassend, unverständlich und vielleicht sogar verstörend. Als reiner Kinderfilm FSK 0 würde „Mein Leben als Zucchini“ bei uns also gnadenlos durchfallen und eine schlechte Bewertung kassieren.

Ein Blick über den Tellerrand hinaus für die Großen

Würde man jedoch davon ausgehen, dass dies kein Kinderfilm, sondern eine Buchverfilmung in Stop Motion Technik für Jugendliche und Erwachsene ist, dann sieht das schon wieder ganz anders aus. Denn hier wird auf eine sehr sensible Thematik eingegangen, die allerdings ganz ohne Darstellung der angesprochenen Gewalt in Szene gesetzt wird. Mit einer Prise Unschuld und dennoch das echte Leben, das manchmal schon in jungen Jahren schrecklich tragisch sein kann. Das alles in eben dieser Technik auf die Leinwand zu bringen, verschafft dem Film noch ein bisschen mehr Tragik, denn auch da kommt wieder die Unschuld zur Geltung – bei einem Film, der so gar nicht unschuldige Themen anspricht. Nimmt man „Mein Leben als Zucchini“ also als Lehrfilm für Jugendliche oder als animiertes Drama für Erwachsene zur Hand, ist dieser nur etwa eine Stunde lange Film durchaus sehenswert und hebt sich deutlich von der Masse ab. Vor allem die Botschaft, wie es der junge Zucchini schafft, mit seinen Schicksalsschlägen umzugehen, ist sehr gut in Szene gesetzt und das Highlight des Films.

Gesamtfazit

Die technische Umsetzung des Films ist gut, wenngleich die Figuren etwas gewöhnungsbedürftig sind und vor allem aufgrund ihrer Kopfform und den bunten Nasen etwas abstrakt wirken. Schade ist, dass der Soundtrack sehr minimal gehalten worden ist. Das liegt sicherlich auch am Thema des Films, stört aber in vielen Szenen, die gänzlich ohne Musik auskommen müssen. Ansonsten geht der Soundtrack – abgesehen von dem NDW-Hit „Eisbär“ von Grauzone – ziemlich unter.

Schlussendlich bleibt zu sagen, dass man den Film Kindern unter 12 lieber noch nicht zeigen sollte – diese haben schlichtweg einfach nichts davon und können das Thema noch nicht fassen. Und wenn doch, dann ist es eher verstörend. Ab einem gewissen Alter jedoch ist „Mein Leben als Zucchini“ durchaus sehenswert – wenn man sich denn der Tragik vorher bewusst ist.

Mein Leben als Zucchini

Mein Leben als Zucchini
7.2

Story

7.0/10

Darstellung der Charaktere

6.5/10

Emotionen und Lernfaktor

8.0/10

Pros

  • Gefühlvolle Story über einen Jungen mit schwerem Schicksal
  • Gute Technik
  • Botschaft erfolgreich übermittelt

Cons

  • Darstellung der Charaktere gewöhnungsbedürftig
  • Schwacher Soundtrack
  • FSK Einstufung hat hier versagt

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