„Schnauze, Alexa!“ – Ich kaufe nicht bei Amazon

Schwierig, schwierig… Wie soll man nun in freundlichen Worten sagen, dass diese Lektüre eine ziemliche Zeitverschwendung war? Na ja, zum Glück handelt es sich hier ja um ein recht kurzes Buch, da ist das schon irgendwie zu verschmerzen.

Aber verkaufen, das mache ich gerne bei Amazon!

Und natürlich war nicht jede einzelne Seite von Grund auf schlecht, jedoch ist die Botschaft, die am Ende bleibt, äußerst unglaubwürdig und an den Haaren herbei gezogen – vor allem dann, wenn der Herr Johannes Bröckers, der eine solche Anti-Einstellung gegenüber dem Online-Händler Amazon vertritt – dann seine eigenen Werke bei eben jenem „Ausbeuter“, wie er es so schön sagt, zum Verkauf anbieten lässt. Die Doppelmoral lässt grüßen. Klar kann man hier nun sagen, dass dies die Entscheidung des Verlages ist und nicht seine eigene. Wenn er aber die Macht darüber hätte haben wollen, dann hätte er sein Buch wohl eigenständig veröffentlichen müssen – und über den Zusatzgewinn und die automatische Werbung wird er sich wohl auch kaum beschweren.

Aber kommen wir endlich zum Wesentlichen. Der Autor Johannes Bröckers will mit seinem Büchlein (kleines Format, keine 100 Seiten) „Schnauze, Alexa – Ich kaufe nicht bei Amazon“ deutlich machen, was an Amazon so scheiße ist. Von der „Ausbeutung der Mitarbeiter“ über den „Niedergang des Einzelhandels“ bis hin zur „Ausnutzung der Paketlieferanten“. Und die immense Schuld am Klimawandel nicht zu vergessen.

Allein bei der kurzen Inhaltsbeschreibung (auf Amazon zu finden übrigens), die mit „Fast alle kaufen bei Amazon – ist ja so bequem. Die Innenstädte veröden (…)“ beginnt, stellt man sich die Frage, welchen „Innenstädte“ denn hier bitte gemeint sein sollen und ob der Autor die Fußgängerpassage eines kleinen Dorfes schon als Innenstadt bezeichnet – Großstädte kann er wohl kaum meinen. Und hieß es nicht eigentlich mal, dass die großen Kaufhäuser der Tod des Einzelhandels sind? Also geht bereits an dieser Stelle einiges an Seriosität verloren.

Wo sind sie nun, die überzeugenden Argumente?

Das wird bei der Lektüre des Buches selbst dann aber leider auch nicht besser. Sicherlich hat Bröckers mit einigen Dingen recht, wie zum Beispiel die viel zu freizügige Darlegung eigener Daten – doch das gilt eben nicht nur für Amazon bzw. für Alexa, sondern für jeden, der auch nur ein Smartphone verwendet. Natürlich will es sich der Autor auch des Weiteren nicht nehmen lassen, über die „schrecklichen“ Arbeitszustände bei Amazon zu schreiben – allerdings wird man das Gefühl nicht los, dass er sich entweder nur mit (aus welchen Gründen auch immer) verärgerten Ex-Mitarbeitern unterhalten hat oder sich auf veraltete Informationen vom Team Walraff beruft.

Bringen wir es nun also zu Ende: Das Buch liest sich leider sehr verbittert, so als hätte der Autor selbst persönliche Beweggründe. Man mag nun damit übereinstimmen, dass in der heutigen Zeit, in der das Online-Geschäft im Gegensatz zu vor 10 Jahren deutlich zugenommen hat, nicht jedem schmeckt. Nicht umsonst wird gerne zum regionalen Einkauf aufgerufen. Aber die auf dem Buchcover versprochenen „überzeugende Argumente“ sucht man schlicht und einfach vergeblich. Wer nicht bei einem Handelsriesen wie Amazon kaufen will, der tut das auch nicht – und braucht dafür nicht ein Buch wie dieses, das ironischerweise bei Amazon zum Verkauf angeboten wird. Und um in Erfahrung zu bringen, dass Amazon so etwas wie ein Monopol besitzt, stellt wohl für niemanden eine Überraschung dar.

„Nie mehr bei Amazon einkaufen, muss also für jeden halbwegs klar denkenden und freiheitsliebenden Menschen die logische Konsequenz sein.“ – Beleidigt der Autor hier etwa seine Leser, die sein Buch bei Amazon erworben haben? Oder gilt das nur für den „vorher“-Zustand? So oder so – wir werden weiter bei Amazon einkaufen und können damit wohl leider nichtmal halbwegs klar denken – danke für das Kompliment, Herr Bröckers!

"Schnauze, Alexa!" - Ich kaufe nicht bei Amazon

4.4

Informationsgehalt

4.7/10

Schreibstil

4.0/10

Pros

  • Für diejenigen, die gegen die Technisierung allgemein und den Online-Kauf im Besonderen sind, ist dieses Buch ein gefundenes Fressen

Cons

  • Unsympathischer Schreibstil
  • Neigt zur Dramatisierung
  • Viel Bla Bla, das man eh schon wusste
  • Fast so, als wären Zeitungsartikel auf aggressive und negative Weise zusammengefasst worden

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