Stars in Shadow (PC)

Groß, größer, 4x. Die etwas abstrakt klingende Abkürzung steht für die größten Vertreter des Strategiegenres. Ihr steuert alles: ganze Armeen, Städtebau, Eroberungen, Friedensverhandlungen und Kriegserklärungen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören die Civilization-Spiele, in denen ihr eine Zivilisation der Erdgeschichte durch die Jahrhunderte begleitet. Heute lassen wir die Erde aber hinter uns und reisen in die Tiefen einer fremden Galaxie, wo ihr einer von sieben Rassen zu neuer Größe verhelfen werdet. Ob nun durch Diplomatie oder etwas… Raketenlastigere Verhandlungen ist euch überlassen. Wir haben uns Stars in Shadow mal angeschaut und verraten euch, was ihr von Ashdar Games‚ 4X-Titel erwarten könnt.

Setting

Nach Jahren des Krieges entfacht der Kampf um die Vorherrschaft in der Galaxie erneut. Ihr übernehmt die Kontrolle über eine von sieben einzigartigen Rassen, um zwischen den Planeten und Sternen ein gigantisches Reich zu errichten. Jede Rasse hat ihre eigenen Fähigkeiten und Skills, die euren Weg zum Sieg beeinflussen werden, so beginnen die verbitterten Menschen das Spiel ohne einen Heimatplaneten, die gerissenen Phidi sind exzellente Händler und so weiter. Um über das Universum zu herrschen, wird es aber in jedem Fall eine Menge Arbeit brauchen, denn es gibt viel zu entdecken. Für jede Partie wird nämlich jeder Planet und jedes Sternensystem zufällig generiert. Bei einer durchschnittlichen Kartengröße sind das 50 Galaxien mit Hunderten von Wald-, Wüsten-, Ozeanplaneten und Monden, die es zu erforschen gilt und kolonialisiert werden können! Aber ihr seid natürlich nicht allein in der großen, weiten Welt. Andere Rassen, einheimische Stämme und Weltraumpiraten warten nur darauf, euch euren wohlverdienten Platz streitig zu machen. Also liegt es an euch zu entscheiden, wie man sich an euch erinnert: als exzellente Diplomaten und Entdecker? Oder als gnadenlose Eroberer, deren mächtige Flotten das All durchstreifen?

Gameplay

Bevor man so ziemlich jedes Strategiespiel anfängt, sollte einem klar sein, dass es Zeit und Geduld brauchen wird, bis man alles gelernt hat. Das hier ist nicht Mario: Es gibt etwas mehr zu tun als Springen und nach Rechts laufen. So müsst ihr auch in Stars in Shadow lernen, wie ihr eure Schiffe verwaltet, Siedlungen errichtet, erforscht und so weiter. Diese Tatsache wird auch nicht einfacher, wenn dem Spiel ein Tutorial vollkommen fehlt. Zwar gibt es Leitfäden der Community als auch eine bunte, über 20-Seitige Anleitung von den Entwicklern selbst, die aber Einiges nicht hinreichend erklären und den Start ins Spiel unnötig verkomplizieren. Das wäre nicht so schlimm, wenn man sämtliche Mechaniken im Grunde bereits aus anderen Spielen kennen würde. Wenn alles so ist wie in XY, dann brauche ich auch keine Anleitung. Allerdings bringt grade Stars in Shadow einige Features mit sich, welche die Einarbeitung ins Spiel durchaus wert sind.

Mit fast jeder Rasse (ausser den Menschen, wie gesagt) startet ihr auf eurem Heimatplaneten, kurz nach dem die ersten Raumschiffe gebaut wurden. Jetzt geht es daran, die Reise zu den Sternen zu beginnen und eure Herrschaft auszuweiten. Das macht ihr hauptsächlich, indem ihr neue Kolonien auf anderen Planeten errichtet. Natürlich eignet sich nicht jeder Planet genau gleich für ein paar neue Mitbewohner, je mehr Galaxien ihr erforscht, desto mehr Planetentypen werden euch begegnen, jeder mit eigenen Vor- und Nachteilen. Auf manchen Planeten werdet ihr zum Beispiel Unmengen an Metallen und Mineralien finden (was eure Minen freuen wird!), andere haben dafür viel fruchtbaren Boden und werden das Wachstum eurer Kolonie stark unterstützen. Vielleicht findet ihr sogar Einheimische, die euch helfen oder gegen euch rebellieren können. Habt ihr auf einem Planeten eine Kolonie errichtet, geht es ans Ausbauen. So könnt ihr zum Beispiel Bauernhöfe bauen, die dem Planeten Nahrung einbringen oder Minen, die Mineralien aus der Erde holen und neue Bauprojekte fördern. Unendlich Platz habt ihr in den Kolonie aber nicht. Jedes Gebäude belegt einen „Slot“ der Kolonie und sobald alle Slots belegt sind, könnt ihr die Kolonie nicht weiter ausbauen. Überlegt euch also gut, wie die neue Kolonie die Gegenenheiten des Planeten am Besten nutzt.

Mit irgendwelchen Siedlungen lassen sich aber keine neuen Welten erkunden. Das geht nur mit Raumschiffen! Diese lasst ihr auf euren befreundeten Planeten bauen und lasst sie dann durchs all düsen. Eure Flotten bewegt ihr mit jedem Zug von Sternensystem zu Sternensystem und errichtet dort neue Kolonien, die eure Reisereichweite erhöhen. Welche Raumschiffe ihr baut, ist euch überlassen. Es gibt Kolonienschiffe, die Siedler transportieren, Handelsschiffe, die Nahrung unter euren Planeten verteilen, und natürlich auch Kampfschiffe. Damit eure Flotten aber auch immer auf dem neusten Stand sind, müssen sie natürlich nachgerüstet werden. Neue Waffen und Bauteile schaltet ihr durch das Erforschen neuer Wissenschaften frei, die euch, nach ein paar gewarteten Runden, neue Spielmöglichkeiten eröffnen. Wollt ihr einen neuen Laser dann anbringen, könnt ihr neue Raumschiffdesigns bauen oder bestehende verändern. Dazu wählt ihr einfach eine Raumschiffhülle aus und besetzt freie Ausrüstungsslots mit den Gegenständen, die am ehesten zum Raumschifftyp passen.

Wenn ihr so durch das Weltall düst, bleibt es aber natürlich nicht aus, dass ihr auf andere Rassen trefft. Die Verhandlungen mit den Anführern der neuen Rasse sind völlig euch überlassen, ihr könnt Warenabkommen schließen, ändern und natürlich auch Kriege anzetteln. Kann ein Planet sich nicht verteidigen, so könnt ihr in der Regel sämtliche Einwohner vom Antlitz der Erde bombadieren. Kämpft ihr aber gegen Raumschiffe und -Stationen, dann könnt ihr euch auf eine richtige Schlacht gefasst machen, denn die Kampfsituationen ähneln mehr einem rundenbasierten Rollenspiel als staubtrockener Strategie. Mit jedem Zug zieht ihr eure Einheiten über das Schlachtfeld, manövriert durch gegnerische Raumschiffe und um sie herum. Steht euer Raumschiff dann richtig, startet ihr einen Angriff, der euren Waffen an Bord entspricht und dem Gegner Schaden hinzufügt. Sind alle Gegnereinheiten zerstört, gewinnt ihr die Schlacht. Im Spiel selbst war die Konfrontation mit dem Kampfsystem ziemlich unerwartet, wenn auch erfreulich, da man auch in den Kämpfen wirklich die Kontrolle über den Lauf der Dinge hat. Aber grade bei solchen Mechaniken braucht ein Spiel dringend ein Tutorial. Meine Flotte wurde in meinem ersten Gefecht völlig auseinandergenommen, vor Allem durch die Tatsache, das einem nicht genau klar ist, was man tun muss.

Diese Ahnungslosigkeit ist mein größtes Problem mit Stars in Shadow. Ich bin weiß Gott kein Neuling in 4X-Spielen, aber ohne einen Communityleitfäden wäre mein Weg ins Spiel hier deutlich länger und deutlich schwerer gewesen. Das kommt vor allem durch die fast völlige Abszenz von Feedback im Spiel selbst. Abgesehen von ein paar „Beratern“ im Spiel, die aufschreien sobald ein Planet besonders viele Mineralien hat, wird dem Spieler so gut wie garkeine Hilfe an die Hand gegeben. Das führt dazu, dass man 20, 30, 40 Runden auf seinen kleinen drei Kolonien vor sich hin bauen kann, ohne zu wissen wohin die Reise geht. Besonders schade ist das, wenn man bedenkt, dass sowohl das Entwerfen von eigenen Schiffdesigns, die rundenbasierten Weltraumschlachten als auch andere Spielmechaniken richtig Spaß machen könnten, wenn man erstmal weiß wie sie funktionieren. Auch das Fehlen sämtlicher Mehrspielermodi versetzt vielen Rollenspielfans wahrscheinlich einen Stich, da man trotz all der Lernerei stets auf die computergesteuerten Gegner begrenzt ist, statt sich mit seinen Freunden messen zu können.

Grafik und Sound

Dafür klingt und sieht Stars in Shadow spektakulär aus. Das ganze Interface wirkt sehr organisiert und funktionell, besonders schön sind aber die vielen unterschiedlichen Planeten, Raumschiffe, Alienrassen und Charakterstil. Auch die Gestaltung der 25- seitigen Entwickleranleitung ist ziemlich bunt und schick, das wäre an sich ein Pluspunkt, wenn man nicht 25 Seiten Text lesen müsste um ein Spiel zu verstehen. Wir sind nicht im 18ten Jahrhundert. Global wirkt das Spiel etwas bunter und schlichter als die meisten Strategiespiele, was aber auch gut zum Gameplay passt, da es hier eher um’s Erkunden als um Feinheiten und Mikromanagement geht. Synchronisation fehlt dem Spiel zwar, dafür kriegt man aber nette Soundeffekte und einen Synthlastigen, coolen Soundtrack spendiert.

Fazit

Nach einer relativ langen und harten Einarbeitung wird Stars in Shadow purer Weltraumstrategiespaß. Es gibt zwar weder ein Tutorial noch irgendeinen Mehrspielermodus, aber hey, ich habe grade einen intelligenten Schneckenstamm auf einem Wüstenplaneten mit einem selbstgebauten Raumschiff zerbombt und eine Kolonie drauf errichtet. Wie kann ich mich da beschweren?

Stars in Shadow (PC)

Stars in Shadow (PC)
8.8

Setting

9.0/10

Gameplay

7.5/10

Wiederspielwert

9.0/10

Grafik und Sound

9.5/10

Pros

  • Mehrere spielbare Rassen
  • Riesige, zufällig generierte Spielfelder
  • Bauen von eigenen Raumschiffen und rundenbasierte Kämpfe
  • Toller Grafikstil
  • Für ein 4X-Strategiespiel recht günstig

Cons

  • Kein Tutorial
  • Kein Multiplayer
  • Koloniebauoptionen sind recht limitiert

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