Tommy Finke – Ein Herz für Anarchie

Kann man Tommy Finke eigentlich noch als Geheimtipp anpreisen? Oder ist der Singer und Songwriter über diesen Status bereits hinaus? Klar, so bekannt wie andere deutsche Sänger seines Genres – zum Beispiel Tim Bendzko, gregor Meyle oder Philipp Poisel – ist er nicht, doch ist er auch kein Unbekannter mehr. Man werfe nur mal einen Blick auf seinen Wikipedia-Eintrag und schon stellt man fest: der Herr hat schon so einiges auf die Beine gestellt!

Punk is not… ähm, Moment…

Nun erfreut (?) er uns in wenigen Tagen mit seinem neuesten Album, das den Titel „Ein Herz für Anarchie“ trägt. Nein, er hat keinen vollkommenen Stilwechsel betrieben und ist zum Punk geworden. Aber drüber singen kann man ja wohl, oder? Obwohl man schon zugeben muss, dass der Titel etwas unpassend gewählt ist, um nicht nur einen Song, sondern gleich ein ganzes Album so zu benennen. Denn mal ehrlich: Wer Tommy Finke nicht kennt, den Titel liest und blind zugreift, weil er sich einen neuen Stern am deutschen Punk-Himmel erhofft, der wird doch ordentlich enttäuscht sein, wenn er Zuhause dann weichgespülten Radio-Pop zu hören bekommt. Also aus der Sicht eines Punks halt…

Wie dem auch sei: Die Single, die dem Album seinen Namen gegeben hat, macht gleich den Anfang. Ein eingängiger Titel, das muss man sagen, aber der Nachfolgende namens „Der Himmel über Berlin“ gefällt dann noch besser. Da hört man gleich gespannt weiter und fragt sich, ob es denn überhaupt noch besser werden kann? Diesmal aus der Sicht eines Fans von „weichgespültem Radio-Pop“ natürlich…

Und dann stellt man fest: Nein, es kann nicht besser werden. Und so gut war das auch eigentlich gar nicht… Man stellt außerdem fest: die Melodien klingen langsam alle gleich. Klar kann man total toll mitwippen und bekommt ein bisschen Sommer-Gute-Laune-Feeling, aber da gibt es dann eben auch andere Künstler, die das besser und abwechslungsreicher hinbekommen. Und wenn man dann noch weiter in das Album abtaucht, ist man früher oder später ziemlich genervt von den immer wiederkehrenden Klängen und „oho“ Gesängen.

Entschuldigung, aber: What the F***?!

Nun kann man natürlich hoffen, dass die Texte es wieder raus reißen. Aber… Nein, echt nicht. Beispiel gefällig? Gerne doch „David Bowie ist tot, David Bowie ist tot, das kommt nie wieder ins Lot…“ – fehlt nur noch das „oho“ zwischendrin. Mag ja sein, dass das als eine Art Nachruf gemeint ist und natürlich singt er auch, dass das ganz schlimm ist (gepaart mit ein paar politischen Zeilen), aber mal ehrlich: alberner ging es nun nicht, oder?

Aber wollen wir nicht allzu böse sein: Natürlich kann der Tommy Finke auch was. Ein paar Texte sind sogar richtig gut und passen in das Radio-Pop Klischee, dann nämlich, wenn es um die Liebe geht. Das passt dann auch wieder mit den Oho-Gesängen zusammen. Und ja, da kann man sogar behaupten, dass er durchaus Chart-Qualität hat. Aber es sind nunmal auch ein paar echt peinliche Textstellen auf diesem Album zu finden, bei denen man sich beim Zuhören schon fremdschämt.

Was machen wir nun also mit diesem Album? Zur Hälfte okay, zur anderen Hälfte so richtig schlecht? Melodien sind nett, aber auf Dauer eben doch zu eintönig und die Texte die sind von echt gut bis grottig schlecht. Na ja, immerhin in der Hinsicht kann man Tommy Finke Vielfältigkeit und Abwechslung nicht absprechen….

Tommy Finke - Ein Herz für Anarchie

Tommy Finke - Ein Herz für Anarchie
5.3

Abwechslung

5.6 /10

Texte

5.0 /10

Pros

  • Gute Lovesongs
  • Teilweise echt gute Texte
  • Einige Songs haben Chart-Potenzial

Cons

  • Schlecht gewählter Albumtitel
  • Teilweise echt peinliche Texte
  • Sehr eintönige und wenig Abwechslungsreiche Melodien

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