Virtual Rides 3 (PC)

Nachdem ich meinen Laptop ein neues Kühlpad gegönnt habe und seitdem erfolgreich das Problem der Überhitzung bekämpfe, juckt es mir in den Fingern, die neu erkämpften Grenzen mal etwas auszutesten. Die erste Gelegenheit dazu bietet unerwarteterweise ein Kirmessimulator von Zeichenkraftwerk Jeutter & Schaller GbR. Wenn das nicht vielversprechend klingt!

Der Geruch von Zuckerwatte und Bratwürstchen liegt in der Luft…

Setting

Mit dem Start der Kirmessaison bietet es sich natürlich auch an, ein paar Runden auf den Geräten im virtuellen Vergnügungspark zu verbringen. Im Gegensatz zu Planet Coaster oder Rollercoaster Tycoon sollt ihr aber keinen eigenen Park entwerfen, sondern kriegt einen bereits fertigen Park zur Verfügung gestellt. In diesem finden sich eine Reihe halsbrecherischer Attraktionen, die richtigen Kirmesgeräten detailgetreu nachempfunden sind. Genau das ist in Virtual Rides 3 nämlich besonders wichtig. Die Simulation setzt nicht auf Aufbauspaß, sondern auf Authenzität und Realismus beim Fahren und vor allem Steuern der Geräte. Mit Effektmaschinen, Flutlichtern und jeder Menge neuer Farbe dürft ihr ausserdem jedes Gerät euren Wünschen entsprechend anpassen.

Gameplay

Hilfeee! Auf den Fahrgeschäften vergisst man gerne mal, wo oben und unten ist.

Als Kind habe ich fast täglich am PC meine eigenen Vergnügungsparks errichtet und bin in erster Person über Schienen geschlittert, durch Kurven gerast und habe mich so lange virtuell überschlagen, bis mir schlecht wurde. Mit ähnlichen Erwartungen bin ich also auch an Virtual Rides 3 herangegangen und war bereit, meine Auswahl an Fahrgeschäften zu platzieren, um schnell ein paar Runden zu drehen. Wer den Park dann nach ein paar heftigen Ladezeiten endlich betritt, wird jedoch bemerken, dass die Fahrgeschäfte bereits alle vorhanden sind. Nun gut, ist ja immerhin kein Aufbauspiel. Ab sofort könnt ihr also nun in First-Person-Ansicht durch den Park spazieren, die Stände ansehen und eure Umgebung erkunden. Schaltet den Tag-Nacht-Zyklus ein, bestimmt eure gewünschte Besuchermenge und schon kommt das Leben auf die Kirmes!
Aber leider ändert das wenig daran, dass ihr ausserhalb der Fahrgeschäfte relativ wenig Interaktion

Die Besucher sind wohl nicht so begeistert wie ich…

mit eurem Festplatz habt. Stattdessen seht ihr dabei zu, wie robotische Menschenmengen über das lieblos gestaltete Parkgelände stolpern und in Schlangen an den uninteressanten Büdchen anstehen, wo die Polygonkunden durch leere, immer gleiche Handbewegungen abgearbeitet werden. Atmosphärisch ist das Ganze abseits der Fahrgeschäfte eben schon sehr steif und wirkt, als hätten die Entwickler sich zu etwas zwingen müssen, an dem sie nicht wirklich Interesse hatten.
Vor allem deshalb, weil das, worum es wirklich bei Virtual Rides geht, auf ganzer Linie überzeugen kann: Die Fahrgeschäfte. Abgesehen von Achterbahnen gibt es davon eine ganze Menge in Virtual Rides. Von der Schiffsschaukel bis zur Powerdrehscheibe ist wirklich eine Menge dabei. Nähert ihr euch einem Fahrgeschäft, könnt ihr durch einen Klick in die Kontrollansicht wechseln. Hier betrachtet ihr die Riesenmaschinen aus der Nähe, könnt sie steuern und anpassen. Für jede Attraktion gibt es mehrere auswählbare Kamerawinkel, die keine Ecke der Geräte unbeleuchtet lassen. Ausserdem könnt ihr euch durch die Onboard-Kameras selber in den Sitz schwingen und ein paar Runden miterleben. Über Schalter steuert ihr die Motoren des Geschäftes, lässt die Bügel herunter etc. Auch hier wird sehr auf die Details geachtet. Maschinenbewegnungen sind authentisch, auch können Motoren zum Beispiel nicht gestartet werden, ehe die Bügel geschlossen sind.
Wer seine ganz eigenen Ideen für das Aussehen der Fahrgeschäfte hat, kann diese mit dem Editor umsetzen. Sämtliche Teile des Fahrgeschäftes lassen sich unabhängig kolorieren, das Attraktionsthema kann gewechselt werden. Besonders interessant ist die Option, zusätzliche Effektgeräte einbauen zu können, um das Gerät bei EInbruch der Nacht zu einem absoluten Hingucker zu verwandeln, dass eine ganz eigene Show auffährt. Die Menge der Anpassungsoptionen ist riesig und bietet auf jeden Fall genug Freiraum, um sich für ein paar Stunden in alle Geschäfte einzuarbeiten. Bei Kirmesenthusiasten dürften die Fahrgeschäfte also keine Wünsche offen lassen, von der statischen und leblosen Umgebung mal abgesehen.

Grafisch kann Virtual Rides 3 echt was, wenn ihr die richtige Technik parat habt.

Grafik und Sound

Auch hier verhält es sich ähnlich wie mit dem Rest von Virtual Rides 3. Die Fahrgeschäfte sind brilliant in Szene gesetzt, sehen realistisch aus und schaffen es, ihre Realvorbilder 1:1 auf den kleinen Bildschirm umzusetzen. Auch die Licht- unf Farbeffekte sind großartig und heizen die Fahrlust an. Etwas weniger enthusiastisch macht der Rest des Parks. Die Pizzas sind kantig, die Gesichter der Parkbesucher und Mitarbeiter leer und ausdruckslos. Kirmesstimmung kommt dadurch weniger auf, durch die detailgetreuen Fahrgeschäfte aber allemal. Für höhere Grafikstufen wird allerdings ein ziemlich kraftvoller Rechner benötigt, der selbst dann nicht den ein oder anderen Bildratenruckler verhindern kann.

Fazit

Virtual Rides ist ein toller Simulator für Fahrgeschäfte-Enthusiasten, der Freude bringt. Nur den Parkbesuchern nicht.

 

 

Virtual Rides 3 (PC)

Virtual Rides 3 (PC)
6.8

Setting

7.0/10

Gameplay

7.0/10

Grafik und Sound

6.5/10

Pros

  • Viele, detaillierte Fahrgeschäfte
  • Tolle Grafik
  • Viele Anpassungsoptionen

Cons

  • Bildruckler und hohe Systemanforderungen
  • Langweilige Stände, Park und Besucher

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